Fog of War oder Nebel des Bewußtseins?


Am 6. Juli 2009 ist 93-jährig Robert McNamara gestorben, einer der einflußreichsten und meistgehaßten Politiker der USA. Während des 2. Weltkrieges kam er, der kurz zuvor zum Präsidenten der Ford Motor Company aufgestiegen war und als erster großflächig „Systemanalyse“ als Politikinstrument anwandte, in das Verteidigungsministerium, wo er die Einsatzpläne für die konventionelle Bombardierung Japans „Flächenbombardements“ mit einem Stab hochqualifizierter Systemanalysten ausarbeitete. Sein Chef war Curtis LeMay, der später als „running mate“ von Barry Goldwater die Bombardierung Vietnams und Kambodschas bis zur Auslöschung forderte.

1961 fragte Präsident Kennedy das Wunderkind McNamara, ob er nicht das Verteidigungsministerium übernehmen wolle, was dieser nach einigem Zögern auch tat. Damit wurde er zu einem der Treiber des Vietnamkrieges – auch wenn er in dem 2004 erschienen Interview-Film (The Fog of War“) sich nur als kleines Rädchen bezeichnete. Jeder, der diese Zeit (wie der Autor) in den USA verbracht hat, wird sich an das Gegenteil erinnern. Dieser Film ist erstaunlich: während McNamara zugibt, mit der Flächenbombardierung Japans ein Kriegsverbrechen begangen zu haben, lehnt er dort eine Mitverantwortung am Krieg in Vietnam, der Millionen Vietnamesen und 50.000 Amerikanern das Leben gekostet hat, weitestgehend ab.

Noch erstaunlicher war, daß Präsident Johnson ihn 1968, nach Kontroversen über den Krieg, zum Präsidenten der Weltbank nominieren ließ. Eine erstaunliche Parallele mit Paul Wolfowitz, einem der Hauptbetreiber des Irakkrieges bereits vor seinem Dienst als Vizeverteidigungsminister als führender Neocon, welcher auch von Präsident Bush Junior nach seinem Ausscheiden in die Weltbank-Position gehievt wurde. Sollten beide damit ihre persönliche „Erlösung“ in der Entwicklungshilfe finden, nachdem sie fürchterliche Kolonialkriege angezettelt und betrieben hatten?

Mc Namara war als Präsident der Weltbank, wo er von 1968 bis 1981 amtierte, für eine Straffung der Mannschaft, für Infrastrukturhilfen und eine positive Ausweitung des Mandats der Weltbank verantwortlich, spielte also dort – nach Meinung vieler Kommentatoren – eine sehr positive, nicht rein technokratisch getriebene Rolle.

Trotz seiner Weigerung, sich seiner eigenen Verantwortung für den Vietnamkrieg öffentlich zu stellen, scheint ihn diese sehr schwer gedrückt zu haben. Sie hat ihn auch dazu gebracht, im oben angesprochenen Film die Ziele des Irakkrieges zu verurteilen.

McNamara war zweifellos eine besondere Geistesgröße, begabt mit sehr scharfem analytischen Verstand, ausgebildet in den neuesten Techniken der Wirtschafts- und Systemplanung. Er hat diese Begabungen und Kenntnisse für die fürchterlichsten Bereiche, deren die Menschheit fähig ist, gnadenlos eingesetzt – und persönlich einen hohen Preis dafür bezahlt. Der Preis seiner Opfer war jedoch ungleich größer.

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