Eine wirklich erfreuliche Zauberflöte


Die English National Opera hat eine ältere Produktion der Zauberflöte wiederbelebt – und sie funktioniert hervorragend. Sie schafft es, in einer wirklich witzigen englischen Übersetzung das doch etwas schwerfällige Libretto Schikaneders in einer idealen Mischung von Leichtigkeit, Witz und Gravitas hinüberzubringen. Diese Mischung macht denn auch das Auftreten des weisen Mannes (Priesters?) Sarastratos einigermaßen erträglich, umso mehr als die Bruderschaft hier nicht als klösterliche Priester gezeigt wird, sondern als (weitgehend) normale, wenn auch aufgeklärte Männer, die sich sowohl mit Freude der Jagd hingeben, als auch offenbar Familie haben und im Isis- und Osiris-Tempel nur „nebenbei“ agieren.

Tolle Singleistungen von Pamina (Elena Xanthoudakis), Tamino (Robert McPherson), Papageno (Duncan Rock), the Queen of the Night (Kathrin Lewek), Monostatos (Adrian Thomson), den Drei Damen und den Drei Knaben, nur etwas beeinträchtigt durch einen unerträglich knödelnden Sarastro (Robert Lloyd), dem offenbar das Gebiß nicht paßt oder der vergaß, seinen Kautabak-Pfriem vorher zu entsorgen.

Die ungebremste Lebensfreude Papagenos wird prächtig zelebriert, sein Kostüm ist äußerst witzig, Duncan Rock verkörpert das mit leichtfüßigem Bariton und glaubhaftem Spiel. Besonders lustig ist der Erstauftritt Papagenas als englische Tealady, die mit dem typischen fahrbaren Diener mit Theromoskanne heringefahren kommt. Paminas und Taminos Liebe und Prüfungen werden damit effektvoll kontrastiert. Die Entlarvung der hervorragend koloraturierenden Königin der Nacht als von Rache zerfressende Böse gelingt gut, Monostatos paßt exzellent in die heutzutage immer neu auftretenden Mißbrauchsgeschichten. In einigen Teilen erinnert die Inszenierung an jene Ingmar Bergmanns in seinem wundervollen Zauberflöte-Film, allerdings schafft sie es besser, den schwierigen Spagat zwischen kindgerechtem Zaubermärchen und aufklärerischem Freimaurertum zu überbrücken – ohne je peinlich zu werden.

Ein hervorragendes  Orchester mit dem Dirigenten Nicholas Collon nahm mit den Sängerinnen und Sängern erstaunlich vielen Applaus (normalerweise gibt es in Londons Opernhäusern einmal Verbeugungen, dann rast jeder zum vorletzten Zug nach Hause) verdienterweise entgegen.

Advertisements

Leave a comment

Filed under Life

Leave a Reply

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out / Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out / Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out / Change )

Google+ photo

You are commenting using your Google+ account. Log Out / Change )

Connecting to %s