Und sie (die Zentralbanken) bewegen sich doch!


 Am 12. Dezember hat Ben Bernanke, Chef der Federal Reserve Bank der USA, eine signifikante Erweiterung seines Zielkatalogs vorgenommen: solange die USA-Arbeitslosenrate nicht unter 6.5% liegt, wird die FED alles tun, um Wachstum zu stimulieren, und zwar zuerst einmal monatlich 85 Mrd $ an Cash in die Wirtschaft pumpen und die Zinsen bei Null halten. Das Inflationsziel von 2.5% wird in dieser Zeit nicht mehr bindend sein – wow!

Am 13. Dezember hat (Zufall?) Mark Carney, der kanadische Notenbankchef und designierte Chef der britischen Bank of England, geäußert, daß in Zukunft Notenbanken vom starren Inflationsziel abweichen könnten/sollten (=inflation targeting), und statt dessen sich am nominellen BIP orientieren könnten: dieses setzt sich bekanntlich aus dem realen BIP (also der preisbereinigten Summe der Güter und Dienstleistungen einer Volkswirtschaft) und dem Preisdeflator des BIP zusammen.

Nichts dergleichen war von EZB-Chef Draghi zu hören, der weiterhin zumindest auf dem Papier, am alleinigen Inflationsziel der EZB hängenbleibt, auch wenn seine Behörde massiv zugunsten von Wirtschaftswachstum in den letzten Monaten interveniert und zugesagt hat, alles zu tun, um die Krise zu überwinden. Er hat allerdings auch am 13.12. eine weitere Kompetenzausweitung der EBRD verlangt, um Durchgriffsrechte auf bankrotte Banken zu bekommen und sie abwickeln zu können.

All dies ist bemerkenswert. Einerseits sehen sich die Zentralbanken zunehmend als integraler Bestandteil der Wirtschaftspolitik; in Europa war die EZB sicherlich der einzig funktionierende Akteur, der bislang eine noch tiefere Rezession verhindert hat. Aber inhaltlich wird jetzt offenbar auch konzeptuell nachgeholt, was bereits praktiziert wurde, zumindest in den USA (wo die FED auch ein Wachstumsziel hat) und offenbar auch im künftigen England. Die quantitative Festlegung der FED auf ein Arbeitslosenziel  ist jedoch auch eine veritable und hoch willkommene Neuerung. In Europa wird dies noch dauern, da vor allem das deutsche Bundesgericht in Karlsruhe dies als verfassungswidrig ansieht und die Bundesbank bisher alle „offenen“ Schritte der EZB in diese Richtung blockiert hat.

Mario Draghi wird weiterhin klandestin daran arbeiten müssen, die europäische Wirtschaft zu retten.

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3 Comments

Filed under Crisis Response, European Union, Fiscal Policy, Global Governance

3 responses to “Und sie (die Zentralbanken) bewegen sich doch!

  1. Pingback: Und sie (die Zentralbanken) bewegen sich doch! | glatzonline: politik, wirtschaft, kultur

  2. Ein kleine Revolution – aber sie ist möglich!
    Gratulation an Herrn Bernanke!
    LG Johannes

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