Abbitte an Arnie


Gleich zu Anfang ein Outing. Ich war nie ein Fan von Arnold Schwarzenegger. Ich habe nur einen einzigen seiner Filme, den dümmlichen “Zwillinge” mit Dany DeVito gesehen, Gewaltfilme immer gehasst. Ich habe seine Abwahlkampagne, um Gouverneur Kaliforniens zu werden, verachtenswert gefunden, über sein vollmundiges Versprechen, das kalifornische Budget-Desaster weder durch Steuererhöhungen, Ausgabenkürzungen noch Schuldaufnahmen lösen zu wollen, fast geweint, seinen Entschluss, einen schwachsinnigen Verbrecher hinrichten zu lassen, fürchterlich gefunden und sein persönliches Verhalten gegenüber seiner Familie – naja! Die Attitüde als Nicht-Politiker (Stronach, schau oba!), sein zigarrenpaffendes Hummerfahrendes Macho-Ego – all das war nicht wirklich dazu angetan, mich zu einem Teil seiner weltweiten Fangarde und arschkriechenden (pardon!, aber man erinnere sich zB  an die frühere steirische Landeshauptfrau und viele andere) österreichischen Devotiontruppe zu machen.

Aber, er hat etwas! Gestern nahm ich an seiner in Wien organisierten R-20 (R steht für regional) über den Kampf gegen den Klimawandel teil. Manuel Barroso, UNIDO Generaldirektor Yumkella, der österreichische und der rumänische Premierminister, beide mit ihren UmweltministerInnen, eine Vielzahl von Experten, Generaldirektoren und 400 Zuhörer (Durchschnittspreis stolze 2.200 Euro!!!) hat er hergebracht. Barroso sehr kompetent, Yumkella mitreissend. Letzterer berichtete die Tatsache, dass in den weniger entwickelten Ländern mehr Menschen, vor allem Kinder und Frauen, an interner Luftverschmutzung durch Holz-, Dung- und Holzkohlefeuer sterben als an Malaria, dass afrikanische Frauen durchschnitttlich 20 Stunden pro Woche arbeiten muessen, um Brennstoff und Wasser herbeizuschaffen, dass mehr al seine Milliarde Menschen keinen Zugang zu Energie hat, geschweige den erneuerbarer.

Und dann kam Arnie mit einer fulminanten (wahlkampfähnlichen) Rede. Er lobte Faymann über den Klee, lobte das Burgenland für seine (fast) Energieautarkie und ruf die Anwesenden auf, sofort zu handeln und nicht auf internationale Abkommen und den Staat zu warten. Natürlich glaubt er, dass es nur auf den Privatsektor, nur auf den Einzelnen ankommt, um was zu ändern, dass es “gutes business” sei, Klimawandel durch Energieeffizienz zu bekämpfen. Und nach Arnie braucht es keine Verhaltensänderungen in den reichen Ländern, er selbst würde eben seine Hummer auf Elektroantrieb umbauen, seine Flachbildschirme energiesparend betreiben. Die Technologien seien vorhanden, müssten nur umgesetzt werden. Seine einzige Konzession an Verhaltensänderungen hat er an seinen Kindern vollzogen, die zu lange duschten und nie das Licht abdrehten. Also hat Arnie daheim die Glühbirnen herausgeschraubt und in den Bädern eine 5-Minuten Sperre einbauen lassen. Ob das nur in den Bädern der Kinder, oder auch in denen, die Maria und er benützten, sagte er nicht.

Also, keine nachfrageseitigen Energiepolitiken (Raumordnung, Verhaltensänderungen, Öffis statt Privatautos, etc.), keine Politik überhaupt, da es auf den Einzelnen ankommt, Technologie ist alles. Das sind sicher – neben vielen anderen – konzeptuelle Schwächen.

Aber er sucht und benennt “heroes” und er kann motivieren. Gegenüber ihm zeigte sich die ganze Blässe der europäischen Politiker, auch der Ösis. Und sein Aktivismus hat wirklich etwas. Er bringt Leute zusammen, treibt sie an, motiviert, nicht von den Barrieren, warum was nich geht zu reden, sondern was zu tun.

Arnie hat bei seinem Wienbesuch auch mit vielen Studenten und Jungen diskutiert, hat sich beim Abendessen zuvor mit hechelnden österreichischen CEOs (extrem peinlich!) jeweils einzeln fotografieren lassen, hat seine Popularität und Zugkraft gnadenlos für eine wirklich gute Sache eingesetzt. Solche Menschen sind zwar keine Garanten für Lösungen, aber sie bringen Angelegenheiten weiter! Österreich könnte solche Dynamik auch in anderen Bereichen brauchen.

Ob wir dafür allerdings – wie für Arnie – einen “Kreuzweg” mit Marterln um den Thalersee in Graz, ein Devotionalienmuseum in seinem Heimathaus brauchen, würde ich allerdings verneinen.

Dennoch. Ich leiste Arnie Abbitte, no more Arnie-Bashing meinerseits.

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