Schilda in London


Das Zentrum des Vereinigten Königreiches, England und Wales, befindet sich derzeit in einer eigenartigen, selbst verschuldeten Doppelmühle. Einerseits macht Regierungschef Cameron Töne, die einer weiteren Integration in die Europäische Union mehr als skeptisch gegenüberstehen und die vielleicht nach der nächsten Wahl 2014 zu einem Referendum führen, das den Austritt aus der EU beschliesst.

Andererseits hat er mit dem Chef der schottischen Regierung, Salmond, vereinbart, dass Schottland 2014 ein Referendum abhält, das die Frage nach dem Verbleib Schottlands in der mehr als 300-jährigen Union mit England und Wales stellt.

Im Extremfall also setzt England seinen hundertjährigen Weg vom weltumspannenden Empire mit 460 Millionen Einwohnern in den zwanziger Jahren des letzten Jahrhunderts, über seine Mitgliedschaft in einem 500 Millionen Menschen umfassenden Gebilde namens EU, konsequent in die nationalistische Eigenbrötelei weiter fort, um dann, etwa 2016 oder 2017, seine Zukunft gemeinsam mit Wales (wie lange wollen die dann noch dabeisein) für etwa 50 Millionen Menschen zu meistern. Erich Schumacher’s „Small is Beautiful“ ist zwar nicht unbedingt der Leitslogan der derzeitigen Regierung, könnte aber in 5 Jahren Realität sein.

Die schottische Frage wird hierzulande kaum, im Königreich aber massiv diskutiert. Muss ein unabhängiges Schottland um den EU-Beitritt neu ansuchen, soll es eine Währungsunion mit England durch Erwerbs eines 10% Anteils an der Bank of England eingehen, was passiert mit der Trident-Atom-UBootflotte in Glasgow (mit 30.000 Arbeitsplätzen), was mit den Einnahmen aus dem schottischen (?) Erdöl, welche längst ihren Zenit überschritten haben? Warum hat Cameron nicht die Schotten gedrängt, auch die Frage einer erweiterten Autonomie dem Referendum zu unterwerfen, usw., usf.

In der kürzlichen Diskussion um Camerons EU-Ambitionen ist die schottische Dimension weitgehend ausser Acht gelassen worden. Auch in London, Cardiff und Edinburgh werden die beiden separatistischen Dimensionen unabhängig voneinander diskutiert. Sollten beide Visionen wahr werden, so wird England sehr auf seine „special relationship“ mit den USA vertrauen müssen, um auch nur einen Bruchteil seiner angeblichen Bedeutung auf globaler Ebene leben zu können. Wie erinnerlich, haben sich kürzlich auch seine amerikanischen Freunde skeptisch gegenüber seinen Absetzbewegungen von der EU geäussert, da sie den Wert Englands daran bemessen, wie weit dies ihnen hilft, ihre Interessen in und mit der EU wahrzunehmen. Ob Cameron dies bedenkt, oder sich doch lieber auf die Kleinstaaterei zurückzieht? Viele Fragen sind noch offen.

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Filed under European Union, Global Governance, Socio-Economic Development

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