In eigener Sache: Beendigung der Mitgliedschaft bei Transparency International – Austrian Chapter


Am 13.2. baten die TI-AC Vorstandsvorsitzende Eva Geiblinger und die TI-AC Beiratsvorsitzende Bettina Knötzl Edith Kitzmantel, die Leiterin der TI-Arbeitsgruppe “Finanzmarkt und Wirtschaftspolitik” und mich zu einem Gespräch, dem überraschend auch die Vorstandsmitglieder Bauer und Rödler, beiwohnten. Edith und ich hatten schon vorher mehrfach das Gespräch gesucht, einerseits um uns unverständliche Entscheidungen über geplante Aktivitäten unserer Arbeitsgruppe (Untersagungen), über Governance-Fragen betreffend die fachliche Autonomie der Arbeitsgruppen, sowie über Vorstandsbestellungen zu erörtern. Zweimalige Treffen Ediths und einige Emails meinerseits waren bestenfalls formal-juristisch, aber nicht inhaltlich beantwortet worden.

Dieses Gespräch endete nach einer Reihe von gegen uns vorgebrachten Vorwürfen (wir hätten Unruhe in TI gebracht, wir hätten (horribile dictu) mit Attac zusammenarbeiten wollen, wir hätten Transparenz bei Vorstandsbesetzungen verlangt, wir hätten keine corporate members und Sponsoren gebracht (sic!), etc.) mit der – offenbar schon vorher innerhalb des Vorstands vereinbarten – “Einladung”, die Mitgliedschaft bei TI-AC niederzulegen. Edith und ich kamen dieser Aufforderung unverzüglich nach und verließen die Sitzung. Zwei Stunden später schon kam die schriftliche Bestätigung des Vorstands der Beendigung unserer Mitgliedschaft.

Ich war bereits nach meiner Rückkehr von der Weltbank (2005) Mitglied von TI-AC geworden und hatte maßgeblich an Arbeiten zur Korruptionsbekämpfung bei Entwicklungs-NGO mitgearbeitet. Ich hatte die Mitgliedschaft nach meiner Übersiedlung nach London zur EBRD 2008 aufgegeben, war aber 2013 nach meiner Rückkehr nach Wien erneut Mitglied von TI-AC und des Beirats geworden, nachdem Edith mich zur obigen Arbeitsgruppe eingeladen hatte. Innerhalb der von Edith geleiteten Arbeitsgruppe waren Fachleute im Bereich Banken, Steuern, Versicherungen und Volkswirtschaft aktiv tätig, trafen einander monatlich und arbeiten inhaltliche Stellungnahmen zu relevanten Themen aus. Mehrmals jedoch kam es zu Problemen mit dem damaligen Beiratsvorsitzenden Fiedler, der unsere Arbeiten nicht nur nicht schätzte, sondern offenbar als – wie er sich ausdrückte – “unter Kronenzeitungs-Niveau” befand, aber offenbar die ökonomische Argumentation nicht verstand. Mediation durch den Vorstand änderte wenig. Fiedlers Ablöse als Beiratsvorsitz durch Knötzl schien erst die Situation zu beruhigen, auch wenn auch seither immer wieder Schwierigkeiten auftauchten, die zu langen Verzögerungen der Veröffentlichung (etwa Kommentare zum Regierungsprogramm) oder Untersagung von Veranstaltungen (Steuerflucht) – jeweils ohne inhaltliche Begründung – führten. Meine geäußerten Bitten um Information über Vorstandsbestellungen und andere Governancefragen wurden inhaltlich nicht beantwortet. Bei dem oben angeführten Gespräch wurden meine früheren Bitten um Transparenz (bei einem Verein, der sich Transparency International nennt!), etwa um Vorinformation der Mitglieder bei vom Vorstand geplanten Kooptierungen weiterer Vorstandsmitglieder als Zumutungen und persönliche Beleidigung apostrophiert. Ich drückte aus, daß ich erwartet hätte, daß vom Vorstand die Arbeit ausgewiesener Expertinnen und Experten geschätzt und ermutigt würde, zumal diese ehrenhalber erfolgt, statt mit Vorwürfen überhäuft zu werden.

Die Ziele von Transparency International werden weiterhin von mir vorbehaltlos unterstützt. Ich sehe mich jedoch außerstande, in einer bürokratisch, hierarchisch und sich selbst ergänzenden Vorstandsstruktur, sowie einem Vorstand, der sich in die Arbeit und Mitgliedschaft der Arbeitsgruppen (ohne dazu die inhaltliche Kompetenz zu haben) einmischt, weiter zu arbeiten. Meines Erachtens ist die Vorgangsweise, daß der Vorstand selbst ohne Vorinformation der Mitglieder Vorstandsmitglieder kooptiert, um sie dann in der Mitgliederversammlng wählen zu lassen, weder durch die Statuten gedeckt, noch inhaltlich in einem Verein heutzutage haltbar. Damit wird Insiderverhalten gefördert und eine Verbreiterung der Mitgliederbasis verhindert. Bereits in der Vergangenheit wurden vom Vorstand Leiter anderer Arbeitsgruppen in ähnlicher Weise entfernt.

Es ist schade, daß mit der gewählten Vorgangsweise TI-AC die inhaltliche Arbeit unserer Arbeitsgruppe verlorengeht. Es ist schade, daß damit für TI-AC die aufgebauten Behiehungen zu in- und ausländischen gleichgesinnten Institutionen verlorengehen. Es ist besonders schade, daß das Verständnis des Vorstandes, dass ehrenamtliche Arbeit Vertrauen von beiden Seiten benötigt, in Österreich nicht vorhanden ist und anstatt dessen ein hierarchisch-bürokratisches Handeln besteht. Ich werde mich weiterhin – in Eigenregie, mit anderen Gleichgesinnten, jedenfalls aber außerhalb von TI-AC – um relevante Fragen wie zB Bankgeheimnis, Steuerflucht, Mitgliedschaft Österreichs in internationalen Transparenzinitiativen u.a.m. kümmern.

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9 Comments

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9 responses to “In eigener Sache: Beendigung der Mitgliedschaft bei Transparency International – Austrian Chapter

  1. Andreas Kovar

    Lieber Kurt Bayer, mein Kollege (Principal/Geschäftsführer bei Cap Gemini) und ich haben bei der Leitung eines Compliance-Arbeitskreises bei TI-Österreich letzten Jahr die praktisch gleichen Erfahrungen gemacht und uns daraufhin einfach zurückgezogen. Es gibt ja noch andere und besser geeignete Plattformen.

    • kurtbayer

      Danke, ja, habe von diesem Konflikt gehört, kenne auch die meines Erachtens sehr fadenscheinigen “Erklärungen” von Vorsitz und Beirat, warum dies so war.
      Dennoch: ich finde es schade, daß eine an sich gute und unterstützenswerte Mission – in Österreich ohnedies wenig verbreitet – sich durch Eitelkeiten und Ausgrenzung selbst so schwächt und damit jedenfalls Transparency International keinen guten Dienst erweist.
      Andererseits haben Sie recht, daß es schade um die (weitere) Zeit ist, sich mit solchen Governance-Fragen herumzuschlagen. Deshalb mache ich ja auch selbst weiter!

  2. Danke für die Schaffung von Transparenz auch im Sinne der privat zahlenden Mitglieder.

  3. Pingback: Protest: Kurt Bayer verlässt Transparency International | Johannes Huber

  4. Schad, dass TI-chapter typisch Österreichisch ist. Sehr schade! Passt nicht dazu, aber mir kommt Kurt Kuch in den Sinn, wo dont smoke im vordergrund steht, aber nicht sein Einsatz für Investigationsjournalismus.

  5. A. Van der Bellen

    Remarkable: Transparency International-AC doesn’t like Transparency.

  6. Eva Nowotny

    Wie schade, dass durch solche Vorgangsweisen eine an und für sich gute Sache in ein schiefes Licht gerät!

  7. EVA GEIBLINGER und BETTINA KNÖTZL, treten Sie zurück!! Eine der Transparenz verpflichtete Organisations-Einheit sollte transparent arbeiten. Oder kommen die Anweisungen für die Rausschmisse aus der EU-Kommission oder gar aus den USA?

    • kurtbayer

      nein, nein, das kommt nur von innen! TI-AC ist ja international kaum bekannt, und jedenfalls nicht wichtig. Hier geht es um persönliche Eitelkeiten und die Abwehr von Personen, die dies so nicht hinnehmen wollen.

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