Michelle Obama als Hillarys Schutzmantelmadonna


(am 3.11.2016 als Gastkommentar in der Wiener Zeitung erschienen)

Donald Trump attackiert Hillary Clinton wüst, seine Anhänger brüllen „Jail crooked Hillary“ („Ins Gefängnis mit der Lügnerin Hillary!“) er attackiert Barack Obama, dem er die Voraussetzung zur Präsidentschaft jahrelang wegen seiner angeblich nicht vorhandenen US-Geburtsurkunde absprach, „repeal Obamacare“!, er attackiert alles und jeden, vielfach unflätig. So hat er es im Vorwahlkampf mit seinen Gegnern gemacht, so macht er es jetzt. Und erst recht, seitdem der FBI-Chef 11 Tage vor der Wahl seine bisher unbegründete Meldung lancierte, „möglicherweise“ die Untersuchung gegen Clinton wegen ihrer e-mails wieder zu eröffnen (ein Schelm, wer hier keine Absicht vermutet), und damit Trumps Karten wieder verbessert.

Aber: kein Wort hat Donald Trump bisher über Michelle Obama geäußert, die ihn vorige Woche wegen seiner sexuellen Demütigungen von Frauen schärfstens attackierte. Und am 27.10. gab es erstmals einen gemeinsamen Wahlkampfauftritt von Hillary und Michelle, in einem Swing State, in Winston-Salem, North Carolina. Dort war nicht Michelle die Aufwärmband für Hillary, sondern es war umgekehrt. Und Michelle war grandios: sie appellierte an die Familie, an die Zukunft für die Kinder, an den Zusammenhalt der BürgerInnen, an die Größe der USA, auf der Hillary aufbauen würde. Sie attackierte den Defätismus Trumps, der die Stärken der USA negierte, die Familienwerte, die Nachbarschaftshilfe, die Gastfreundschaft. Ihre Rede galt nicht einem konkreten Zukunftsprogramm, sondern der Hoffnung, den Stärken der Amerikaner, ihrem unerschütterlichen Zukunftsglauben. Und sie erinnerte an den knappen Wahlsieg Baracks 2008 (nur 2 Stimmen pro Wahlbezirk in North Carolina), sie erinnerte an die Notwendigkeit, wählen zu gehen und sich nicht vom unerquicklichsten Wahlkampf aller Zeiten entmutigen zu lassen, sie erinnerte an die Opfer der Bürgerrechtler, die ihr Leben für die Möglichkeit aller AmerikanerInnen, wählen zu können – und erinnerte an die damit verbundene Verpflichtung, tatsächlich zur Wahl zu gehen, und zwar sofort (in North Carolina kann bereits seit einiger Zeit vorzeitig wählen!). Und: jede Wählerin, jeder Wähler sollte einen oder zwei zusätzlich Registrierte überzeugen, tatsächlich zur Wahl zu gehen.

Michelle würde wahrscheinlich die Wahl locker gewinnen, träte sie selbst an. Sie ist authentisch, sie spricht exzellent, sie verkörpert eine schwierige Familiengeschichte mit einem fast nur in den USA möglichen Aufstieg in die besten Universitäten – und letztlich zur First Lady. Das Faszinosum ist jedoch nicht ihre charismatische Präsenz, sondern die Tatsache, dass weder Sudelkandidat Trump noch seine Wahlkampfhelfer auch nur ein Wort gegen Michelle Obama sagen können: sie ist quasi die „Heilige von Washington“, die Unberührbare, die (schwarze) Madonna. Natürlich hat das mit ihrer Geschichte, mit ihrem Aufstieg als Anwältin, mit ihrem immer unterstützenden, aber nie in den Vordergrund drängenden Auftritt als First Lady zu tun, der sie glamourös, aber immer vollkommen natürlich, nie prätenziös, immer als Familienmutter und Bio-Gärtnerin, nie als Fashion Ikone, als zickig oder ihren Mann insgeheim beneidend, gesehen hat. Sie ist „untouchable“, sogar für Donald Trump. Und: sie ist sehr wahrscheinlich der entscheidende Faktor für einen Wahlkampfsieg Hillary Clintons. Sie wäre die bessere Kandidatin.

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2 Comments

Filed under Global Governance, Life

2 responses to “Michelle Obama als Hillarys Schutzmantelmadonna

  1. Matthias Urban

    Sehr geehrter Herr Bayer!
    Man hat hier eher den Eindruck der Hofberichterstattung als den einer politischen Analyse!
    Schreiben Sie in Zukunft für “Adel aktuell”?

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