Trumponomics? Absurd!


(am 13.12.2016 in Der Standard veröffentlicht)

In „Trumponomics“ als Rettung für den Euro (Der Standard, 10./11. Dezember 2016) argumentiert Daniel Gros, dass die Aufwertung des Dollars, der Anstieg der Zinsen auch in Europa, Trumps Steuerermäßigungen für Unternehmen und Reiche und sein angekündigtes Infrastruktur-Investitionsprogramm die Eurozone, vor allem aber die Randstaaten wie Italien, aus der Krise führen würden und „den Euro retten“ könnten.

Schön wär‘s, wenn es wahr wäre – aber auch ein Armutszeugnis für die europäischen Wirtschaftspolitiker, die einen rüden, unberechenbaren, und seine Wahlversprechen brechenden US-Präsidenten brauchten, um die Versäumnisse ihrer eigenen verfehlten Wirtschaftspolitik zu kaschieren. Aber zuerst zu Gros‘ Einschätzung zu Trump: ja, die angeführten Programmpunkte könnten der US-Wirtschaft tendenziell einen stärkeren Auftrieb verschaffen. Für die Welt jedoch sind Trumps bisherige Ankündigungen und Nominierungen eine Katastrophe, die auch Gros‘ positive Einschätzungen ins Gegenteil verkehrt: die angekündigte Subventionierung der US-heimischen fossilen Energiequellen werden den Klimawandel („eine chinesische Erfindung“) weiter verstärken und damit die weltweiten Klimakatastrophen verschlimmern; die angekündigten Importzölle werden nicht nur die Wertschöpfungsketten amerikanischer Hersteller verteuern, sondern auch europäische Exporte negativ betreffen; die angekündigten Steuererleichterungen für die oberen Einkommen werden die Spaltung der amerikanischen Gesellschaft weiter befördern und damit den Hauptteil der Wähler Trumps weiter frustrieren: inwieweit das dem Euro helfen soll, sollte Gros sich fragen; und letztlich: der Rückzug der USA aus internationalen Vereinbarungen, aus den Handelsabkommen, aus den internationalen Organisationen, aus der Geopolitik: all das wird die Volatilität der Weltgesellschaft vergrößern, die Unsicherheiten – und letztlich die kriegerischen Auseinandersetzungen. Nicht, dass das globale Eingreifen der USA in den letzten Jahrzehnten nicht vielfach destablisierend war, aber Trumps chinesische „Gegner“ werden das Vakuum füllen, welches Trumps Rückzug schafft – und das ist für eine globale gemeinsame Verantwortung erfordernde Politik Gift.

Die Absurdität der Grosschen Argumentation aber ist, dass er überhaupt nicht auf Europa selbst und seine eigene Verantwortung eingeht. Die schleppende Erholung der EU und Eurozone aus der selbst verursachten Doppelkrise, die riesige Arbeitslosigkeit, der Nahe-Kollaps der Ökonomien der Randländer, die Deklassierung breiter Bevölkerungsbereiche auch in den reichen EU-Ländern, die fortschreitende Klimakrise, das Auseinanderbrechen der althergebrachten Sozialstrukturen – all das muss Europa selbst lösen. Dabei auf Lösung von außen zu hoffen, wie es Gros offenbar tut, ist vollständig verantwortungslos und politisch gegenproduktiv.

Alles in allem: Um eine Schlagzeige zu produzieren, greift Daniel Gros zu einer unvollständigen und äußerst einseitigen Analyse über die Ankündigungen Donald Trumps. Um mit des trojanischen Sehers Laokoon Warnung vor dem Trojanischen Pferd zu sprechen: Fürchtet die Gros‘schen Analysen, auch wenn sie die Euro-Rettung versprechen!

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