Musik im kalten Wiener Winter


Die fabelhafte Barbara Hannigan gestaltete im Wiener Konzerthaus ein für das Wiener Normalprogramm eher ungewöhnliche, weil nur aus „modernen“, also 20. Jahrhundert-Komponisten bestehendes Programm, in welchem sie – wie üblich – sowohl als Dirigentin als auch ganz besonders als Sängerin brillierte. Ganz eindrucksvoll Luigi Nonos Djamila Boupacha-Solo-Lied, wo Hannigan ihre Stimme schrillen, weich tönen und piepsen ließ. Text war keiner zu verstehen, aber das war ja auch nicht die Absicht.Wunderschön kam Schönbergs Verklärte Nacht ganz spätromantisch daher, das Orchester Ludwig, in welchem vor allem der massive Frauenanteil auffällt, hätte bekanntere Orchester durch seinen Klang und seine Vielfältigkeit in den Schatten gestellt. Hannigan kam als Sängerin wieder in der Mitte der Bergschen Lulu-Suite zur expressiven Geltung: Ihre Theatralik und ihre ganz besondere Stimme machen den Text fast überflüssig. Dennoch wäre mehr Verständlichkeit eine große Hilfe. Und dann zu Ende George Gershwins Girl Crazy Suite, wo Hannigan wieder ihre Dirigentinnen-Aktivität mit ihrem Sopran verstärkte und vor allem in I Got Rhythm eine sehr effektvolle, sehr eigenwillige Variante grandios darbot. Das Publikum trampelte fast das Konzerthaus nieder.

Als interessanter Kontrast dann in der Staatsoper Alban Bergs Lulu, in der Fassung mit der Komplettierung des 3. Aktes durch Friedrich Cerha. In einer tollen Inszenierung von Willy Decker spielen sich alle Handlungsstränge in einem kreisrunden mit vielen Türen versehenen Raum ab, der hinten von einer ovalen Wand abgegrenzt ist, hinter der sich manegeartig Zuschauer und Teile der Handlung abspielen. Das Ganze ist nur wenig möbliert, farblich sehr effektvoll, gemacht, das Sofa im 1. und 2. Akt in Form von zwei Lippen. Die herausfordernde Hauptrolle wird von Agneta Eichenholz darstellerisch, mehr aber noch sängerisch-musikalisch hervorragend getragen, ihre Textdeutlichjkeit würde man sich manchem muttersprachlichen Sänger wünschen. Sie ist nicht nur „schönes Tier“, kein Vamp, sondern eine sich ihrem Schicksal und ihrer erotischen Anziehungskraft bewußte junge Frau, die unaufhaltsam ihrem grausamen Schicksal entgegentaumelt. Ebenfalls hervorragend Bo Skovhus als Dr. Schön (und Jack the Ripper), Jörg Schneider als Maler/Neger, Charles Workman als Alwa, Wolfgang Bankl als Tierbändiger/Athlet, diese alle überragend aber Franz Grundheber als Schigolf, Lulus Vater (?). Ingo Metzmacher hatte das Staatsopernorchester vollst im Griff, und ließ den Sängerinnen und Sängern mehr als genügend Platz. Gegenüber der in der Vorwoche gehörten Lulu-Suite schafft es die Oper doch, den dramatischen Inhalt dieser Horrorgeschichte über Erotik, Verfallensein, Ausbeutung der Lulu durch die Männer dem Zuschauer sehr sehr nahe zu bringen. Interessant ist die Rolle des Bildes der Lulu, welches sie in verschiedenen Inkarnationen begleitet und für sie und die ihr Verfallenen die Konstante einer nach unten verlaufenden Entwicklung darstellt. Ich erinnerte mich ein wenig an die Rolle des Porträts in Korngolds Die Verlorene Stadt, wo dieses allerdings eher träumerische Qualität und Faszination hat, während es hier den kalten Verfall von Körper und Seele und die Hoffnungslosigkeit, den Ausgangspunkt nie wieder erreichen zu können, repräsentiert. Das Wiener Publikum verließ die Vorstellung in den beiden Pausen in Scharen, auch der Endapplaus endete rasch – zu Unrecht!

Wieder einmal Arabella von Richard Strauss, diesmal mit ganz anderen SängerInnen. Die etwas karge Inszenierung von Sven-Erich Bechtolf wird durch die kühle Darstellung der Arabella durch Anina Gabler unterstützt, deren statisches Spiel den mädchenhaften Verwirrungen der Hoffmansthalschen Figur etwas entgegensteht. Sängerisch ist sie ausgezeichnet und hält die anstrengende Rolle bis zum Ende durch. Übertrumpft wird sie, sowohl darstellerisch als auch sängerisch von der großartigen Chen Reiss als Zdenka, der es gelingt, ihre Zerrissenheit durch die ihr von der Verarmung der Familie aufgezwungenen „Buben“-rolle und ihrer sehr weiblichen Zuneigung zu Matteo perfekt darzustellen, ebenso wie den „Spagat“ zwischen ihrer Intrige, Matteo als Arabella-Double ins Bett zu bekommen und dieser „Schande“, die sie in die Donau treiben will. Sehr gut auch Kurt Rydl als Graf Waldner, der sich zwar nicht entscheiden kann, ob er diesen als Ochs von Lerchenau oder als spielsüchtiger, dennoch dem aristokratischen Comment verbundener Vater anlegen soll, dies aber sehr liebenswert gestaltet, im Gegensatz zu Zoryana Kusphler, die seine Frau Adelaide allzu exaltiert und flach darbringt. Christopher Maltmann als Mandryka singt tapfer gegen die Frauen an, bleibt in seiner Darstellung jedoch unglaubwürdig. Stimmlich großartig ist Benjamin Bruns als Matteo, aber doch auch – wie die gesamte Inszenierung – sehr statisch. Enttäuschend Maria Nazarove in der an sich so viel hergebenden Rolle der Fiakermilli als Ingebriff des leichtlebigen und lustvollen Wien. Hervorragend das Orchester unter dem sehr umsichtigen und die SängerInnen voll zu Stimme kommen lassenden Dirigenten Patrick Lange. Insgesamt eine sehr gute, aber nicht grandiose Aufführung.

Hochinteressant ist die „Neuordnung“ des Wagnerschen Ring des Nibelungen in der Fassung des Theaters an der Wien, die die vier Teile auf drei eindampft und sie jeweils aus der Perspektive eines der Protagonistinnen der 2. Generation sehen und hören lässt. Hagen – Siegfried – Brünnhilde.

Diese schlüssige Fassung reduziert die Handlung auf die menschlichen Beziehungsgeschichten: das mythologische Klimbim der Götter, ihrer je eigenen Beziehungen zueinander, fällt weg, während die „Nachtalben“ im Urschlamm – als Symbole des Bösen, des Dunklen, vertreten durch Alberich und Hagen sichtbar werden. Erda, die Nornen – das Schicksalhafte fällt weg, gezeigt werden die Dilemmata der weitgehend ahnungslosen Menschen auf Erden, die alle existenziell leiden. Damit wird die Parabel weniger als Untergang der Alten und möglicher Neuanfang der Neuen Welt wichtig, sondern immer nur aus der engeren Sicht der Personen. Das Zauberische ist nur durch den Ring vorhanden, von dessen Zauberkraft jedoch Siegfried nichts weiß und damit auch nichts anzufangen weiß. Ihm ist daher alles ein Rätsel – ein Kind auf Entdeckungsreise, ohne sein Wissen und Zutun verstrickt in die Intrigen der Älteren.

Für den nicht in die Handlung des Ring Eingeweihten ist die Verschiebung der Zeitebenen, die Gleich- und Ungleichzeitigkeit der Handlungen wahrscheinlich rätselhaft, für die besser Eingeweihten aber eine spannende Sichtweise.

Den für diese Fassung Verantwortlichen gelingt es, die unterschiedlichen Teile der 4 Wagnerschen Teilstücke musikalisch nahtlos neu zusammenzusetzen: mir sind keine Brüche aufgefallen. Insgesamt also eine spannende Auseinandersetzung mit einem ikonischen Monsterwerk, in einer stimmigen, teils witzigen, „modernen“ Inszenierung, die sich durch eine vielfach benutzte Drehbühne die je passenden Ebenen dieses neuen Puzzle schafft. Einige Regieeinfälle bleiben rätselhaft, insgesamt habe ich jedoch eine absolut interessante Herangehensweise gesehen und gehört, mit sehr beeindruckendem Orchester und überwiegend fabelhaften SängerInnen-Leistungen. Anstrengend, aber lohnenswert.

Hagen beginnt mit der hinterlistigen Ermordung Siegfrieds und setzt fort mit den Erzählungen und Beschwörungen Alberichs („schläfst Du Hagen, mein Sohn?“) nach Rache und Wiedererlangung des durch Wotan geraubten Ringes. Alberich erscheint mit blutigem Armstumpf, da ihm Wotan den Ring nicht entrissen, sondern durch Absägen der Hand abgenommen hat. Weiter geht es in der Geschichte zurück, zu den Rheintöchtern, die sich im Schlamm („Urschlamm?“) wälzen, Alberichs Avancen lächerlich machen – und dafür durch den Raub des Rheingolds bestraft werden. Als Vorbedingung „entsagt“ Alberich auf immer „der Liebe“, aber nicht der Lust. Bei all dem ist Hagen als Kind dabei, muss alledem zusehen, wird vom Vater im wahren Sinne des Wortes „hergerichtet“ – der Prototyp des missbrauchten Kindes. Das ist eine clevere Idee, aus der Hagens düstere Seele klar wird. Der Abstieg von Loge und Wotan nach Nibelheim wird drastisch präsentiert und durch den Fluch Alberichs, dass der Träger des Rings dem Untergang geweiht ist, beendet. Dann geht es weiter zur Gibichungenburg, wo ein infantiler Gunther (Typ linkischer Musterschüler) und eine zwischen Backfisch und „alternder Jungfrau“ changierende Gutrune sich – Babykleidung strickend – den Intrigen Hagens, ihres Halbbruders, aussetzen und beide – gierig – ihrer ihnen zugesagten und zugeteilten Partner harren. Hagen und Gunther begeben sich zur Einholung der Brünnhilde, die der Preis für Gutrunes Traumpartner Siegfried ist. Siegfried wird, wie bekannt, durch einen Trank erinnerungslos und damit ruhig gestellt. Hagen ist glücklich und zufrieden, wähnt sich schon im Besitz der Weltmacht (durch den Ring), aber Alberich schleicht im Hintergrund umher. Ob die „Mannen Gibichs“ bei der Aufforderung, die Hochzeit vorzubereiten, in ihren weißen Kurzhosen-Anzügen eher die Infantilität ihrer Herrschaft oder eine Gruppe von aus dem Irrenhaus Ausgebrochenen darstellen sollen, bleibt unergründlich: sie benehmen sich eher wie letztere. Das Unglück nimmt seinen Lauf, statt freudiger Doppelheirat gibt es den durch Brünnhilde (mit tätiger Mithilfe Hagens) erheischten Beschluss, den Verräter Siegfried zu töten. Damit schließt sich der Kreis zum Beginn der Hagen-Saga.

Ganz hervorragend sang in diesem sehr schlüssigen Konzept vor allem Ingela Brimberg als Brünnhilde, herausragend auch A. Winkler als Alberich (auch wenn ihm gegen Ende des 1. Aktes fast die Stimme ausging) und auch Simon Youn als Hagen intonierte hervorragend. Bestens auch die Rheintöchter Mirella Hagen, Raehann Bryce-Davis und Ann-Beth Solvang), etwas weniger überzeugend Siegfried (Daniel Brenna), Wotan (Aris Agiris) und Gutrune (Liene Kinca), dennoch auch letztere sehr anständig. Dirigent Konstantin Trinks ließ das ORF-Symphonie-Orechster (in kleinerer Besetzung) sehr couragiert erschallen, und ließ vor allem den SängerInnen genügend tonalen Platz. Wie immer hervorragend der Arnold Schönberg Chor (in reiner Männerbesetzung).

Siegfried beginnt wie alle 3 Teile mit der Ermordung durch Hagen, geht dann zurück zur Szene wo Mime die Schwertstücke vergeblich zusammenzuschmieden versucht, die Abneigung Siegfrieds sichtbar wird und auf seine drängenden Fragen, wo er denn herkomme – bühnentechnisch sehr effektvoll – eine Wand niederfällt, hinter der sich das Drama seiner Eltern Siegmund und Sieglinde entfaltet. Ganz hervorragend werden Daniel Johannsen und Liene Kinca (die ich im Hagen-Teil als Gutrune als eher schwächlich empfunden hatte) sowohl stimmlich als auch darstellerisch ihrer Erkenntnis als Zwillinge und Liebende gerecht, ebenso wie Stefan Kocan als Hunding. Warum Nothung eher ein Pfadfindermesser als ein Schwert ist, mag mit Chancengleichheit argumentiert werden, da auch Hagens und sogar Wotans aus der Weltesche geschnittener Speer nur dünne Aluminiumrohre sind. Aber es ist schon toll, wie die beiden inzestuös Liebenden einander finden und dann Hand-in-Hand in den Frühling aufbrechen. Ob die fallenden Blätter, die eher an Herbst erinnern, andeuten sollen, dass es mit dem Frühlingsgenuss für die beiden nicht weit her ist? Jedenfalls, sowohl vom Orchester als auch den Protagonistinnen wirklich eindrucksvoll. Danach aber wieder eine inszenatorischer Rückfall: der „Harst“, also Wald, in welchem die Konfrontation Wotan-Brünnhilde-Hunding-Siegmund – eine der Schlüsselszenen des Rings – stattfindet, scheint dem Winterdepots des ärarischen Pflanzenschmucks im Burggarten entnommen und entwertet die Dramatik der Szene. Weiter geht es mit dem gleichen Harst, wo dann Siegfried Fafner tötet und den Intriganten Mime, hervorragend gesungen von Marcel Beekman gleich dazu. Das alles mithilfe des Waldvögeleins (Mirella Hagen) die einem streunenden Punk ähnelt. Was die beiden mit den beiden Leichen hinter den Büschen machen, bleibt ein Geheimnis: ich tippe darauf, dass Siegfried Mime das Herz zum Schmaus herausschneidet – er kommt mit blutigem Mund hervor, um dann seine erwachende sexuelle Lust in Richtung Brünnhildefelsen zu entwickeln. Seine Begegnung mit Wotan, der als einsamer Wald-Camper am Campingtischchen sich Kaffee kocht, ist wiederum überzeugend, auch wenn Aris Agiris‘ Wotan etwas an Gravitas vermissen läßt. Weiter geht’s, nach Zerspellen des Wotan-Speers und dessen endgültiger Einsicht, dass die Herrschaft der Götter zu Ende kommt, zum feuerumtosten Felsen, auf dem Brünnhilde sich stehend in Trance dreht, bis sie von Siegfried erlöst wird. Beider sexuelle Unerfahrenheit wird klar, des Jünglings massives Drängen würde heute in die Kategorie der sexuellen Übergriffe geahndet, anders als bei den Wagnerschen Germanen. Auch Brünnhilde wird nun klar, dass sie keine Walküre mehr sein kann und ihr Leben als „Frau“ wird fristen müssen. Endlich gibt sie dem Drängen Siegfrieds nach. Im Hemdchen, nachdem sie sich ihre Stiefel und Hosen ausgezogen, an ersteren gerochen und sie fein säuberlich hinter den Felsen gestellt hatte, gibt sie sich ihm hin. Sie trägt das gleiche Outfit wie Sieglinde vor/bei ihrer Vereinigung mit Siegmund. Deren Seidenhemdchen hat Siegfried später als Unterwäsche-Fetischist bei sich, ebenso trägt er seines Vaters blutiges T-Shirt stolz. Regisseurin Tatjana Gürbaca muss ein Faible für Frauen-Unterwäsche haben, da im Hagen-Teil bereits Gunther anlässlich Hagens Versprechens, dass er ihm Brünnhilde als Frau verschaffen wird, ein Damen-Unterhöschen schwenkt. Auch die Gleichheit des sexuellen Vorspiels durch das Ausstrecken des linken Beins von Sieglinde und Brünnhilde auf den Oberschenkel des jeweils vor ihnen stehenden Mannes fällt auf. Daniel Brennas Siegfried bringt eine ganze Reihe schöner Passagen zum Singen, bleibt aber hinter den wirklich hervorragenden Sangesleistungen von Brünnhilde, Siegmund, Sieglinde und Hunding leider etwas zurück. Dennoch: eine tolle weitere Steigerung, vor allem im musikalischen Bereich.

Wie gehabt, beginnt Brünnhilde mit dem von ihr und Wotan beobachteten Siegfriedmord, Im Rückblick erinnert sie sich an ihre Auseinandersetzung mit „Walvater“ Wotan, dessen Wunsch, Siegmund gegen Hunding zu schützen von Fricka vereitelt wird, Brünnhilde jedoch umzusetzen versucht: Siegmund fällt durch Hunding, dieser durch Wotan, aber Brünnhilde rettet Sieglinde, von der sie weiß, dass sie schwanger (mit Siegfried) ist. Daraufhin verbannt Wotan sie aus seinem innersten Kreis, auf einen Felsen, damit sie von dem ersten besten zur Frau gemacht werde. Auf ihr Drängen hin umschließt Wotan den Felsen mit einem Feuerkreis, der nur vom „hehrsten Helden“ (Siegfried) durchschritten werden kann. Das Partnerglück der beiden beginnt, doch dann schickt Brünnhilde ihren Geliebten auf neue Abenteuer, leiht ihm ihr Ross Grane dazu, und bekommt den Ring als Liebespfand. Ihre Walkürenschwester Waltraute kommt und erzählt vom Niedergang Wotans, der nur mehr dumpf brütend herumsitzt und nichts sagt, den (durch Siegfried) zerschlagenen Speer in der Faust. Sie beschwört Brünnhilde, den Ring, der alles Unheil ausgelöst hat, dem Rhein zurückzugeben und damit die Götter (die Alte Welt) zu retten – ohne Erfolg. Brünnhilde ist die Liebe zu Siegfried wichtiger als die Alten („Emanzipationsdrama“). Man sieht dann den tarnkappengeschützten Gunther den Feuerring durchschreiten, er vergewaltigt Brünnhilde, entreißt ihr den Ring und schleppt sie zurück zur Gibichungenburg. Dort nimmt das Unglück seinen Lauf, Hagen bezichtigt Siegfried der Täuschung seines Blutsbruders Gunther, sowohl Siegfried (durch Trank erinnerungsunfähig gemacht) als auch Walküre schwören ihre Eide. Siegfried und Hagen gehen auf die Jagd, Siegfried trifft auf die Rheinmädchen, die auch den Ring wollen, den er ihnen aber nicht gibt. Er trifft Hagen und die Jagdgesellschaft, erzählt dort von seinem vorigen Leben – und wacht langsam auf und versteht die Intrige Hagens. Der sticht ihm den Speer in den Rücken. Siegfrieds Leiche wird zurückgebracht, Gutrune ist untröstlich, versöhnt sich aber mit der Nebenbuhlerin Brünnhilde. Diese schwört Rache, verhindert, dass Hagen sich den Ring schnappt – und reitet mit Grane in den Scheiterhaufen, der für Siegfried errichtet wurde, um im Tod mit ihm vereint zu sein. Vorher übergibt sie noch den Rheintöchtern den Ring, womit der Fluch gelöst ist. Im Hintergrund geht Walhall in Flammen auf, vorne treten zwei kleine Kinder auf, die den Neuanfang der Welt symbolisieren. Dass dies (laut Programm) Hagen und Brünnhilde (als Kinder) sind, vermag allerdings den Neuanfang nicht optimal zu verkörpern, außer die Regie will zeigen, dass auch bei missbrauchten Kindern ein Neuanfang möglich ist – wenn die Verhältnisse nur stimmen.

In dieser Vorstellung wuchs Aris Agiris als Wotan zu intensiver stimmlicher Größe, ein schöner Kontrast zu seiner letzten (gesanglosen) Szene, wo er als Greis im Rollstuhl zur Aktion gefahren wird. Daniel Brennas Siegfried war als leicht indisponiert angekündigt, zeigte aber gegenüber den vorigen Vorstellungen keine Veränderung, ein bisschen schade, dass er gegenüber vor allem den Frauen doch etwas absank. Wieder grandios Ingela Brimberg als Walküre, die furios ihre schwierige Rolle singt und spielt, sehr gut auch die Rheintöchter, wo Ann-Beth Solberg auch als Waltraute beste Figur macht. Wie schon zuvor, bringt Samuel Youn einen stimmgewaltigen Hagen. Die diesmal fast stummen „Mannen“ (außer: „Hagen, was tatest Du?“) agieren weniger geisteskrank, doch immer noch verhaltensauffällig. Wiederum sehr eindrucksvoll das ORF-Symphonieorchester, dem es trotz halbierter Besetzung (gegenüber den Vorgaben Wagners) mit ihrem hervorragenden Dirigenten gelingt, das Brausen und Wallen, das Zarte und Heftige dieser romantischen Musik voll zur Geltung zu bringen.

Ceterum Censeo: der Sitz-Unkomfort im 2. Rang des Theaters ist nicht einmal kleinen Menschen wie mir (170 cm) zumutbar, für größere eine Qual. Die fehlenden Pausenräume, die Besetzung des oberen mit nur einer Person, was dazu führt, dass die Warteschlange erst bei Beginn des nächsten Läutens abgebaut ist, stellen den Besucher auf eine harte Probe. Man mag sich nicht ausdenken, was im Falle eines Brandes passieren würde.

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