Wie geht die OMV mit der Klimakrise um?


(am 1.6.2021 in der Wiener Zeitung veröffentlicht)

Am 2. Juni findet die OMV Hauptversammlung statt: die Medien sind voll von Spekulationen über die Nominierung des neuen OMV CEO, da der jetzige (CEO Seele) angekündigt hat, nächstes Jahr zu gehen. Zwar ist die Besetzung der Spitzenposition nicht unwichtig für die künftige OMV-Strategie, da es dabei auch um die jeweiligen Gewichte der zwei Sparten, des „Upstream“-Bereichs, also der Erdöl- und Erdgassparte, und des Kunststoff-Bereichs geht, der durch die Aufstockung des Borealis-Anteils auf über 70% (hier gibt es eine Diskussion um den „richtigen“ Kaufpreis, der an die Teilmutter Mubadala gezahlt wurde) an Bedeutung für das Gesamtunternehmen gewonnen hat.

Zweifellos ist die Diversifizierung des Gesamtportefeuilles durch die Borealis-Übernahme eine wichtige Weichenstellung für die Zukunftsstrategie von OMV, da damit stärker in den Weiterverarbeitungsbereich investiert wird. Laut gültiger OMV-Dekarbonisierungsstrategie soll damit auch das Ziel, bis 2050 „kohlenstoff-neutral“ zu produzieren erleichtert werden. Dieser Strategieteil, der der Verwirklichung der Pariser Klimastrategie dienen soll, sieht eine deutliche Verstärkung der Energieeffizienz in der OMV vor, eine Steigerung der kohlenstoffarmen oder -neutralen Produkte auf über 60% im Upstream-Bereich bis 2025, eine Steigerung der Carbonintensität im Raffineriebereich um 20% (damit 30% insgeamt) und eine Reduktion des Flaring im Förderbereich auf 0% bis 2030 vor.

Dies sind alles wichtige und auch wahrscheinlich „richtige“ Zielsetzungen. Aber ob sie ausreichen, um tatsächlich die Pariser Ziele zu erreichen, aber auch um das Risiko für die Anteilseigner (Österreichischer Staat vertreten durch ÖBAG, Mubadala und Privatanleger) in Schach zu halten, darf bezweifelt werden. Nicht umsonst ziehen sich Investoren wie zB der (weltgrößte) norwegische Staatsfonds aus dem Carbonsektor zurück, nicht umsonst liefern sich bei den eben anlaufenden Hauptversammlungen der großen Erdöl- und Gasproduzenten Exxon-Mobil, Shell, BP u.a. Investorengruppen und deren Vertreter massive Abstimmungsschlachten über die Dekarbonisierungsstrategien, bzw. um die diese mehr oder weniger vertretenden Generaldirektoren. Das Ziel geht darum, dass diese Unternehmen statt in Kohlenwasserstoffe in erneuerbare Energieträger und ganz andere Produkte investieren. Und nicht umsonst hat eben vorige Woche die Internationale Energieagentur in Paris nicht nur zur Schließung von Kohlengruben und v.a. mit Kohle betriebenen Kraftwerken aufgerufen, sondern sogar überraschender Weise zum Stopp von Neuinvestitionen in Exploration und Förderung von Erdöl und Erdgas aufgerufen, mit dem Ziel, die Pariser Klimaziele zu erreichen.

Davon ist bisher in der Öffentlichkeit von der OMV nichts zu hören. Auch nicht von der ÖBAG, die den österreichischen Staatsanteil verwaltet und in deren Aufsichtsrat der ÖBAG-Chef Thomas Schmid sitzt.

Da sich Österreichs Regierung zur Erreichung der Carbon-Neutralität bis 2040 verpflichtet hat, wäre es hoch an der Zeit, dass sich Österreichs größtes Erdöl- und Erdgasunternehmen, bzw. seine Eigentümer in der Öffentlichkeit zur künftigen Carbonstrategie eines der größten CO2-Emittenten des Landes äußern. Die Borealis-Strategie ist als ein erster Schritt zu begrüßen. Er kann auch einen wichtigen Baustein zu einer OMV-geleiteten Kreislaufwirtschaft in diesem Bereich darstellen, der allerdings eit über die Borealis hinausgehen muss. Die kommende Hauptversammlung selbst wird nur wenig zur Aufklärung leisten, da die syndizierten Eigentümer Österreich-Mubadala den weit überwiegenden Anteil der Eigentumsrechte kontrollieren und bisher schweigen. Die Haltung der ÖBAG wäre jedoch über die österreichischen Investoren hinaus für die Steuerzahlerinnen als Eigentümer hoch interessant. Es ist ein Anezichen dafür, wie ernst Staatsunternehmen die Regierungserklärung zur Carbon-Neutralität nehmen.

(Zwei Tage nach Veröffentlichung dieses Blogs verurteilte ein Gericht in den Niederlanden in erster Instanz Royal Dutch Shell zu deutlich stärkeren Emissionsreduktionen als im Businessplan vorgesehen. Dieses Ersturteil stellt einen wichtigen Schritt in die Verpflichtung von Unternehmen, die notwendigen Anstrengungen zur Erreichung der Pariser Klimaziele zu unternehmen. Auch wenn Shell bereits angekündigt hat, gegen dieses Urteil zu berufen, wird dieses bahnbrechend für tausende andere Privatklagen gegen Unternehmen (aber auch Regierungen) sein.)

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Filed under Climate Change, Crisis Response, Life, Socio-Economic Development

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