Category Archives: Crisis Response

HALBVOLL ODER HALBLEER?

Am 6. Dezember 2017, dem Nikolaustag, hat Kommissionpräsident Juncker weitreichende Vorschläge zur Vervollkommnung von Europas Wirtschafts- und Währungsunion (WWU) vorgelegt. Laut seiner Aussage dient dies dazu, die Einheit der WWU zu stärken, ihre Effizienz zu verbessern, sowie die demokratische Legitimität zu erhöhen.

Die neuen Vorschläge, die auf bereits bestehenden Initiativen aufbauen, sind als institutionelle und inhaltliche Antwort auf Schwächen der WWU gedacht, die in der seit 2008 (nunmehr angeblich beendeten) Krise sichtbar geworden sind. Im konkreten geht es um die Erweiterung des Europäischen Stabilitätsmechanismus (ESM) zu einem Europäischen Währungsfonds, um die Integration der diversen Ausformungen des Stabilitäts- und Wachstumspaktes in den Europäischen Rechtsbestand, um neue Budgetinstrumente zur Stabilisierung des Euro sowie solche, die Strukturreformen unterstützen sollen, und endlich um die Installierung eines Europäischen Finanzministers. Nach Aussage Junckers sind all diese Schritte möglich, ohne die EU-Verträge zu ändern. Mit diesen Einzelvorschlägen hat die Kommission auch einen Fahrplan über die nächsten 18 Monate vorgelegt – und schließen damit die österreichische EU-Präsidentschaft im 2 Halbjahr 2018 mit ein – innerhalb dessen die vorgeschlagenen Schritte durchgeführt werden sollen.

Seither haben sich bereits einige europäische Finanzminister zu Wort gemeldet, die Teile dieser Vorschläge ablehnen, sowohl aus inhaltlichen als auch aus „machtpolitischen“ Gründen. Folgt man nämlich Juncker, so gewänne die Kommission bei Annahme dieser Vorschläge gegenüber dem Rat massiv an Einfluss: derzeit ist die Eurogruppe ein nicht im EU-Vertrag vorgesehenes „informelles“ Gremium, bei dem die Minister den Ton angeben. Durch die Vorschläge gewänne die Kommission deutliche Einflussmöglichkeiten. Derzeit ist der ESM außerhalb des EU-Budgets ein Instrument des Rates (der Eurogruppe), dann würde es zum Instrument der Kommission. Der Vorschlag, den Eurogruppenvorsitz mit dem des für Wirtschaft und Finanzen zuständigen Kommissar zusammenzulegen, würde die Kommission stärken. Gleichzeitig würden die Juncker-Vorschläge die derzeitige, relativ klare Kompetenzaufteilung zwischen Kommission und Rat durch die Doppelzuständigkeit des Finanzministers verwischen.

Kleine Länder wie Österreich haben immer großes Interesse an einer stärkeren Position der EU-Kommission, da diese gehalten ist, gesamteuropäisch zu entscheiden. Dabei kommt das Gewicht der Großen, also besonders von Deutschland, Frankreich – und dann auch Italiens, Spaniens und Polens, weniger zum Tragen als im Rat.

Ob Österreich diesen Juncker-Vorschlägen positiv entgegentreten sollte, hängt jedoch nicht nur von dieser Schutzfunktion der Kommission für die Kleinen ab, sondern von der Ausrichtung der Wirtschaftspolitik. Soll heißen: solange in der Europäischen Kommission die Gruppenmeinung vorherrscht, dass Budgetkonsolidierung und Senkung der Staatsschuldenquote, zusammen mit marktfreundlichen „Strukturreformen“ weiterhin die Hauptstoßrichtung der Europäischen Wirtschaftspolitik bilden sollte, stellt eine weitere Stärkung der Kommission eher eine Drohung als ein Positivum dar. Die Meinungen im Rat sind doch (etwas) differenzierter, und hier könnte Österreich (wenn Finanzminister und Kanzler dies so wollten) im Rat Bundesgenossen suchen (und finden), die einer ausgewogeneren Wirtschaftspolitik, etwa im Rahmen des „Magischen Fünfecks“ (Wachstum, Arbeitslosigkeit, Inflation, Außengleichgewicht und Budgetsaldo) das Wort reden, statt nur eines der Ziele zu verfolgen.

Das Paradoxon dieser ganzen Übung von Juncker ist ja, dass man sich in der Kommission zwar Gedanken über die institutionellen Schwächen der WWU gemacht hat (das ist grundsätzlich positiv), aber keinen Gedanken daran verschwendet, ob die Einseitigkeit der auf Budgetkonsolidierung ausgerichteten Wirtschaftspolitik nicht auch signifikant dazu beigetragen hat, dass die WWU erst 10 Jahre nach Beginn der Krise die Wirtschaftskraft von vorher erreicht hat.Und trotz des nunmehr gefeierten Fortschritts der Wachstumsraten ist noch eine ganze Reihe von Ländern mit extrem hohen Arbeitslosenraten und sozialer Desintegration belastet. Die EU-Länder und Mitglieder der WWU sind 2017 deutlich „ungleicher“ als 2008: die viel beschworene „Konvergenz“ hat nicht stattgefunden. Warum dies so ist, und ob nicht verfehlte Wirtschaftspolitik ganz deutlich zu diesem Misserfolg beigetragen hat, sollte sehr wohl eine Vervollständigung der WWU begleiten. Eigentlich wäre eine solche Rückschau-Analyse zuerst zu machen, und aus der inhaltlichen Fehlerbehebung dann die dazu notwendigen institutionellen Reformen abzuleiten. Positiv an Juncker ist, dass die Kommission nun endlich einsieht, dass die WWU als Wirtschafts- und Sozialraum mehr ist als nur die Summe der einzelnen Mitgliedstaaten, dass eine „eigene“ WWU-Poltikentwicklung notwendig ist, die dann natürlich „interaktiv“ auf die einzelnen Länder umzulegen ist. Für die Österreicher: die WWU ist eben nicht nur „ce qui reste“, sondern ein eigenständiger Wirtschaftsraum mit eigenständiger Währung und gemeinsam zu gestaltender Wirtschafts- und Finanzpolitik.

 

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Move On, Eurozone!

Guntram Wolff of the Bruegel Institute has once more made an interesting contribution to where the Eurogroup should go (Beyond the Juncker and Schäuble Visions of Euro-Area Governance, Bruegel Policy Brief 6, November 2017). In Juncker he criticizes the proposed predominance of the Commission in fiscal policy making which would blur the delicate balance between Commission and Council; in Schäuble he criticizes the perception that national fiscal policy has no spill-overs to other countries, and the neglected necessity of the Euro Group having to provide public goods in terms of stabilisation, growth and inflation. Both criticism are justified.

Wolff‘s own proposal would, in a nutshell, create a permanent Eurogroup president (who is not finance minister of a member state), with a mandate to represent the interests of the whole euro area and would regularly report to the European Parliament. There would be a special Euro Area budget (as part of the EU budget) in order to provide public goods and stabilization. The European Stability Mechanism (ESM) would become a „permanent fire brigade“ to manage sovereign debt and make proposals for (necessary) restructuring; the Commission would still make fiscal policy recommendations to member states, under reformed (simplified) fiscal rules.

The most noteworthy positive part of this proposal is the fact that it – finally – elevates decision-making for the Eurogroup as an economic entity to its necessary level. Up to now, Eurogroup effects are a side-product of national fiscal policies, instead of the interactive nature of Euro and national policy making necessary to create the best results for the group and the members. It has been neglected too long by EU rules and their responsible creators that a monetary union needs (more) joint decision-making: the European Central Bank which sets monetary policy for the whole Euro Area has lacked an adequately endowed fiscal counterpart, in order to optimize the fiscal/monetary policy stance of the Eurogroup. Wolff sets out the division of labor between the new Eurogroup authority and the Commission, as well as the national ministers of finance, always minding the „delicate“ division of powers between these.

The second important feature involves the European Stability Mechanism, which in this proposal would be upgraded and be able to make staff proposals to member states‘ debt management positions, before they become untenable. Wolff maintains that at this time a „Eurogroup safe asset“, a jointly issued EUM bond is not possible, thus a strengthening of ESM/OTM (the ECB-run monetary policy tool) would be necessary – as a political agreement by the member states. Once a sovereign deb crisis occurs, it requires a highly political decision by national and European policy makers to agree on the distribution of the adjustment burdens. Here the emphasis is on joint decisions, involving European policy makers.

Wolff regards the establishment of a European Finance Minister is unrealistic, since it would require significant taxation and spending powers and the capacity to borrow (just like national finance ministers). This would require Treaty changes and political acceptance, not available. Juncker‘s idea to elevate the Commissioner to Vice President and Finance Minister would be too little, but Wolff agrees to a significant Euro budget for his Eurogroup President, worked out as a result of the necessary re-orientation of the next EU financial framework: in the vain of Macron, he proposes significant changes to the present budget, emphasizing more strongly „European“ public goods (border control, climate change investments, R&D and European Universities, stabilization and debt). In order to provide these „European“ public goods, budget increases (beyond the present limit of 1% of EU GDP) might be required. Thus, a Commission budget commissioner would cooperate with the new Eurogroup President, in effect creating a „Eurosystem of Fiscal Policy“, as an effective counterpart to the ECB.

Where I disagree with Wolff is the following: his proposal, like those of Juncker‘s and Schäuble‘s are strong on institutional questions, because they see the Eurogroup‘s past and present problems primarily in institutional gaps. All three of them assume, to various degrees, that the role of fiscal and monetary policy is overwhelmingly, if not exclusively, restricted to stabilization, to the smoothing of the business cycle. They see no role of macroeconomic policy in generating and increasing citizens‘ wellbeing, i.e. growth, employment, environmental improvement and social stability. They seem to believe that if macro policy manages to stabilize national budgets and reduce sovereign debt, there would be no growth-employment-environmental-social conundrum, because all that would be related to „structural“ policy, to the flexibilisation of labor and product markets. But it has been precisely this neglect of the medium-to-long-term „growth“-effects of macro policies which has kept the Eurozone in a decade-long recession. It is precisely this supply-side-only reliance on the medium and long-term prospects of our economies and societies which has created strong divergence between the countries of the Eurozone. Of course, this is not to deny, that structural policies, competition policy, workers‘ rights, wage-setting, financial sector regulation, environmental and social policies are important: but they need to be aligned with macroeconomic policies, where each plays its appropriate role stabilization, employment and well-being of citizens.

The most recent proposals to restructure a more functional Eurozone make important contributions to options for a better institutional set-up. However, in terms of substance, they are all still tied to a single-minded emphasis of fiscal policy objectives of achieving balanced budgets in the short to medium run. Proposals to e.g. exempt certain public investments in infrastructure (material and immaterial) from the budget rules are also ignored in the Juncker-Schäuble-Wolff proposals. They show no recognition or reflection that the „lost decade“ of the Eurozone may be due to this false direction of economic policy making

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Will the EU Ever Learn?

Policy Review

Now that growth rates in EMU and EU are finally positive, some politicians proclaim the 2008 ff. crisis to be over – and want to continue economic policy as before. But if we reflect that it took more than 10 years to recover the GDP level of before the crisis and that the similarly crisis-hit US has grown much faster and started to grow much earlier, we must realize that output lost by the crisis amounts to between 10% and 20% of GDP.

While the present economic situation is encouraging, even though it has not yet reached all strata of society, especially wage earners, this might be the optimal time to reflect on what went wrong, on what policy errors were made and what institutional gaps remain.

I see two major faultlines: the direction of economic policy, and the lack of crisis-fighting institutions in EMU.

Austerity

From the start of the common currency in 1999 the major macroeconomic policy direction of EMU (and the EU) was budgetary discipline. The Stability and Growth Pact was its major instrument, with its infamous 60% debt level and 3% deficit level as the major indicators. While adherence to SGP was lacking, initiated by Germany and France, it still remained the overriding policy direction. During the crisis, it was amended and strengthened by the curiously named Two-Pack and Six-Pack, and the Fiscal Compact, requiring EMU states to install „debt brakes“ in national legislation, preferably shielded by constitutional majorities.

All economic theory, even mainstream theory, would have called for a relaxation of budgetary policies during recessions, for additional (public) investment to enhance demand and for the development of a medium-term growth strategy, anchoring member states‘ short-term policy directions in a growth-enhancing medium-term strategy. While initially, after the crisis broke in 2008, EU finance ministers declared themselves „to be all Keynesians now“, making additional budgetary resources available , 1 ½ years later this growth-enhancing dynamic was abandoned and the Maastricht criteria were pursued once more. A more sustained growth strategy, a relaxation of the deficit criterion in favor of growth-enhancing investment would have contributed to an earlier end to the crisis, to faster growth, to lower unemployment and higher wages. President Juncker‘s EFSI investment initiative came far too late, and was too small to overcome the major policy direction towards austerity.

One would have thought that a thorough review would be undertaken by the European Commission to assess whether this sustained austerity direction during the crisis was the appropriate policy response. Up to now, this discussion has  not taken place.

Fiscal Backstop

The second area concerns the financial side. While before the crisis it was assumed that the no-bailout clause of the treaty would be sufficient to prevent country-specific banking and/or sovereign crises from spreading, reality proved different. The bank-sovereign nexus, the large holdings of sovereign bonds by national banks, made sure that banking crisis would spread to the sovereign, and the large pre-crisis financial inflows between nations were responsible for crisis risks spreading across borders. Only slowly did the recognition take hold that there was no fiscal backstop, no mechanism to deal with sovereign crises, no mechanism to prevent implicitly subsidized investment banks creating excessive risks. Attempts were then made to „complete“ banking union, by a common supervisory framework, a restructuring mechanism (ESM), a recapitalization facility and a common deposit insurance institution. While the two former were implemented gradually, if insufficiently, the last is still outstanding. On the basis of the former, in 2012 ECD President Draghi installed a quasi backstop („whatever it takes“) and later instituted the Outright Monetary Financing Program which injected liquidity into the markets by purchasing sovereign bonds on the secondary market (Most recently it was decided to limit this program from 2018). Thus, it was not the finance ministers, but the European Central Bank which provided the major anti-crisis instrument.

Now there is talk to transform the ESM into a European Monetary Fund (EMF), but its role is still under discussion: while Germany would like it to become the major implementer of the SGP, France sees it more as a risk-sharing instrument, which could also perform ex-ante risk-preventing operations. Germany, and others (among them Austria) militate against a EMF-supported „transfer union“, with the same argument they oppose the Deposit Insurance facility, fearing that it would be „their“ banks or their own country which would have to support crisis countries. While these fears are not without cause, they fail to recognize that future crisis prevention urgently needs a risk-sharing instrument, in order to assure financial investors (the misnamed „markets“) that their investment is safe.

Bleak Outlook

The Monetary Union was established in the face of major flaws: the member countries did not form an Optimal Currency Area, their economic and social structures were too diverse, the labor flows among members too restricted to act as a buffer. No effective crisis-preventing instruments were installed in time, only much later, and only hesitantly, after the spreading crisis threatened the very existence of the Monetary Union. The ideologically mistaken insistence on continued austerity during the crisis nearly brought a number of countries down, but could not be contained within these countries. Thus, we are talking about a European problem.

Both the economic policy mis-direction and the lack of appropriate institutions now seem to be continued, because „my country first and only“ sentiments are strengthened by politicians looking at their domestic constituencies, at the expense of the European whole. Since no deep review of policy errors leading up to and during the crisis is being undertaken, the danger becomes real that continuing as before remains the policy maxim. Underlying divergencies within the EU and EMU remain intact, threatening another, and deeper crisis, since the major anti-crisis actor 2008 ff., the European Central Bank, has nearly exhausted its arsenal of instruments

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Macrons Europarede: europastrategisch konkret, aber wirtschaftspolitisch vage

(am 29.9.2017 leicht verändert in der Wiener Zeitung veröffentlicht)

L’Europe En Marche!

Emmanuel Macrons große Europarede in der Sorbonne am 26.9.2017 hat, neben Kommissionspräsident Junckers Rede wenige Tage zuvor, den Schirm für ein gemeinsameres Europa weiter aufgespannt. Mehr Integration, mehr Gemeinsames, mehr Zusammenarbeit mit Willigen („Europa der mehreren Geschwindigkeiten“) wären Rezepte, um den erstarkten Nationalismus, Rechts-Populismus und Unzufriedenheit der EuropäerInnen zu bekämpfen.

Eine Vielzahl von Ideen zu den Bereichen Sicherheit, Migration, Wissensgesellschaft und Verteidigung, sowohl inhaltlich als auch institutionell bilden einen auffälligen Kontrast zu der Vagheit, mit dem Macron die wirtschaftspolitische Erneuerung der Eurozone (EZ) darstellte. Er sprach zwar, wie erwartet, von der Notwendigkeit eines Eurozonenbudgets, der möglichen Installierung eines Euro-Finanzministers, sowie der Weiterentwicklung des Europäischen Stabilitätsmechanismus (ESM), dem Kriseninstrument der EU, doch blieben genauere Angaben dazu aus. Viele Kommentatoren führen diesen Kontrast („Ökonomie vage – andere Bereiche konkret“) auf Rücksicht auf die schwierigen Verhandlungspartner Angela Merkels bei der Regierungsbildung (vor allem CSU und FDP) zurück. Auch in der CDU selbst hat sich der abgehende Finanzminister Schäuble mehrfach skeptisch gegen solche Vertiefungen geäußert.

Wo bleibt die Makropolitik?

Versucht man, Macrons Aussagen und Vorschläge zu bewerten, fällt auf, dass er relativ wenig zur Makropolitik, also vor allem zur weiteren Ausrichtung der Budgetpolitik sagte. Zwar stellt er sein gesamtes Wirtschaftscredo in dieser Europarede vor den Hintergrund einer (nie so genannten) „Wachstumsstrategie“, mit der er die Arbeitslosigkeit, vor allem der Jugend bekämpfen, aber auch die EU und die Eurozone auf die Zukunft vorbereiten will, doch macht er dazu nur wenige konkreten Vorschläge. Aber er fordert ganz konkret eine Harmonisierung der EZ-Körperschaftsteuern, um den sinnlosen und gegenproduktiven Steuerwettbewerb der EZ-Länder einzudämmen und damit einander in- und ausländische Investoren abzujagen. Konkret will er gemeinsame Untergrenzen und Obergrenzen (wozu letzteres?) der KÖSt. Er sagt aber nichts dazu, wo diese Untergrenzen sein sollen: bei den irischen 12.5% Regelsteuersatz oder bei den französischen 34.4%, oder beim EU-Durchschnitt von 26.2%? Er spricht sich für einen europaweiten Mindestlohn aus: auch hier wieder die Frage, auf welcher Höhe? Natürlich hätte dies den Vorteil, dass der Anreiz niedrig qualifizierter Arbeitskräfte, in höhere Lohnregionen abzuwandern, reduziert würde – außer der EU-Mindestlohn ist so hoch, dass er in Bulgarien und Rumänien die Durchschnittslöhne weit übersteigt und daher zu massiven Arbeitsplatzverlusten führt. Auf der anderen Seite ist die Idee richtig, in einem gemeinsamen Währungsraum Lohnunterschiede von bis zu 10:1 zumindest teilweise einzuebnen.

Macron spricht sich auch für die Einführung einer (in Frankreich bereits bestehenden) Börsensteuer aus. Vielfach wurde das als Unterstützung für die (früher auch von Österreich – ohne Vehemenz – geforderte) Finanz-Transaktionssteuer interpretiert, aber auch hier fehlen genauere Vorstellungen. Auch die Einführung einer EU-weiten CO2-Steuer, sowie die deutlich Anhebung der Tonnenpreise im CO2-Emissionshandel wird (richtigerweise) gefordert. Neu ist der Vorschlag, eine CO2-Steuer/Zoll auf klimaschädliche Importe zu erheben.

Mit solchen Steuerideen will Macron das EZ-Budget befüllen, mit den Einnahmen aus der Börsensteuer Entwicklungszusammenarbeit in Afrika finanzieren. Genauere Kalkulationen, bzw. Schätzungen wären hilfreich. Wofür der EZ-Finanzminister dieses EZ-Budget verwenden will, bleibt insgesamt vage: einerseits schlägt Macron strukturelle Maßnahmen vor, etwa indem die bestehenden Infrastrukturschwächen behoben werden sollen, andererseits spricht er auch von Anti-Krisenmaßnahmen, also der Finanzierung von durch Rezession auftretender Arbeitslosigkeit, und dergleichen. Inwieweit damit dem bestehenden „Juncker-Fonds“ (EFSI) als Investitionsvehikel Konkurrenz gemacht werden soll, oder etwa eine europäische (Zusatz-)Arbeislosenversicherung etabliert werden soll, bleibt in den Sternen. Mit Rücksicht auf Deutschland (?) sagte er nichts zu einer gemeinsamen Schuldenfinanzierung (Eurobonds) oder stärkerer Hilfe für hoch verschuldete Länder.

Zukunftsorientierung

Zukunftsorientert verlangt Macron rascheren Ausbau der Digitalisierungs-Infrastruktur, sowie den Aufbau einer europäischen Innovationsagentur, um für die schwächelnde Innovationskraft Europas mehr und gezielter Mittel bereitstellen zu können.

Für einen nicht-deutschen und nicht-französischen Staatsbürger ist die starke Betonung eines Gemeinsamen Deutsch-Französischen Marktes einigermaßen suspekt: realpolitisch ist zwar eine inhaltliche deutsch-französische Pionierrolle bei der EZ-Vertiefung unerlässlich, ein E-2 im realwirtschaftlichen Bereich aber für die anderen 16 EZ-Länder eher Angst machend, da es die wirtschaftliche Dominanz der beiden größten EZ-Länder mit ihren fast 50% des BIP weiter stärken würde – und damit die ohnedies bestehenden Ungleichgewichte in Europa, die signifikant zur Krise beigetragen haben, verstärken. Der von Macron behaupteten Vertiefung der EZ stünde dies diametral entgegen.

Realpolitik triumphiert über Ambition 

Per Saldo ist die Rede Macrons – abgesehen von der von ihm zelebrierten „Heiligkeit“ – positiv einzuschätzen: die Länge und Tiefe der EZ-Krise (10 Jahre Stagnation mit gewaltigen Einbrüchen in den südlichen Programmländern) macht die Weiterentwicklung der Eurozone, sowie die weitere Eliminierung ihrer Erbsünden, unerlässlich. Allerdings hätte Macron stärker die Fehler der bisherigen Wirtschaftspolitik anprangern und ein geeinteres Konzept einer europäischen Wachstumsstrategie und Schuldenfinanzierung vorlegen müssen. Dies steht, trotz einer Reihe von Einzelmaßnahmen, noch aus.

In einer Zeit der immer stärkeren nationalen Nabelschau und stärkeren Eigeninteresses ist eine wichtige Stimme für ein besseres Europa ungeheuer wichtig. Noch wichtiger aber, als diese Rede zu zelebrieren, ist es, die harte Knochenarbeit für die Verwirklichung der wichtigsten Ideen zu leisten. Und dabei geht es nicht nur darum, die Regierungen vieler skeptischer Länder von der Notwendigkeit dieser Maßnahmen zu überzeugen, sondern vor allem deren Bevölkerungen. Ohne deren positive Duldung werden die Populisten und Nationalisten weiter an Boden gewinnen. Unsere Kinder und Enkel würden es uns nicht danken. Leider zeigt der österreichische Wahlkampf einmal mehr, dass von unseren PolitikerInnen keine Analyse der wirtschaftspolitischen Verfehlungen der Vergangenheit angestellt wurde und dass infolgedessen auch kaum Gedanken an die Weiterentwicklung der EU und EZ verschwenden werden. Auch das ist eine versäumte Gelegenheit.

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Konflikt durch Klimawandel

(am 15.8. in der Internetausgabe der Wiener Zeitung veröffentlicht)

Die heurigen Gewitter, Überflutungen, Murenabgänge und Trockenheiten zeigen auch dem verbohrtesten Österreicher, dass die Folgen des Klimawandels auch bei uns angekommen sind. Das eklatante Beispiel der Probleme der Autoindustrie durch Dieselabgasskandal, vor allem in Deutschland, das sich so lange als „Vosprung durch Technik“ und „umweltbewußtes Fahren“ als Grün-Techniknation No.1 berühmte, zeigt auch den Autoliebhaberinnen, dass es nicht nur um das ferne Abschmelzen von Grönlandeis, die Gletscherschmelze und Probleme in Afrika und Asien geht, sondern dass der Klimawandel tatsächlich uns alle betrifft, und zwar zunehmend massiv.

Die Politik steht dem, trotz der Selbstbelobigung wegen des Pariser Klimaabkommens, weitgehend hilflos, ja vielfach als Komplizin gegenüber. Beispiele gefällig? Die steuerliche Bevorzugung von Dieseltreibstoff, die dazu geführt hat, dass in Deutschland und Österreich die Hälfte der neu zugelassenen Fahrzeuge Dieselantrieb haben, und damit mit Stickoxiden und Feinstaub nicht nur Kleinkinder in ihren Kinderwägen auf Auspuffhöhe, sondern alle Stadtbewohner gesundheitlich schädigen. Oder die Tatsache, dass ein früherer deutscher Bundeskanzler Lobbyist der Öl- und Gasindustrie ist, dass ein früherer deutscher Verkehrsminister Cheflobbyist der Autoindustrie geworden ist, dass auch in Österreich Politiker fast aller Parteien ihre schützende Hand, vollgestopft mit Subventionen, über die Autoindustrie und deren Verbrennungsmotorenmanie halten, gestützt durch Medien aller Art, die mit Autobeilagen und bevorzugten TV-Übertragungen von Auto- und Motorradrennen ebenfalls zu Lobbyisten dieser die Städte veröden lassenden Technologie geworden sind. Oder das fast einhellige Urteil der österreichischen Politiker, das Urteil des Verwaltungsgerichtes gegen die 3. Startbahn in Schwechat anzugreifen.

Erst ein Gericht hat in Stuttgart die Politik zum Handeln aufgefordert, nämlich aufgrund der Umweltverschmutzung selektive Fahrverbote, vor allem für alte Dieselmotoren zu erlassen, um die Bevölkerung zu schützen, Gericht hat die 3. Startbahn (vorläufig) verboten, nicht die Politik.

Bei all den genannten Beispielen wird immer wieder das Arbeitsplatzargument dafür herangezogen, dass im Zweifelsfall wirtschaftlichen Interessen vor jenen für eine bessere Umwelt der Vorzug gegeben werden müsse. Diese letzten Entwicklungen sollten jenen die Augen öffnen, die meinen, man könne alle potenziellen Konflikte zwischen Ökologie, Ökonomie und Sozialem in „Synergien“ verwandeln; man könne also ohne Verhaltensänderungen, hauptsächlich mit technischen Lösungen (zB „Geo-Engineering“) den Lebensstil der reichen Länder weiterführen. Auch wenn dieser „Lebensstil“, diese Art zu wirtschaften und zu leben, nicht genau jene Klima- und Umweltprobleme hervorgerufen hätte, unter denen wir alle zunehmend leiden.

Die Politik ahnt diese gravierenden Konflikte – und versteckt sich bisher. Seien es Verteilungskonflikte, wo man „einigen etwas wegnehmen muss, um anderen mehr geben zu können“, seien es Umweltkonflikte, wo es um andere Siedlungsformen, anderes Mobilitäts- und Wohnverhalten, Konsumänderungen, ja vielleicht um das Schlachten der heiligen Kuh „Wirtschaftswachstum“ (in der bisherigen Form) gehen muss – all diesen umwälzenden Entscheidungen geht die Politik aus dem Weg, um nicht „die Finanzmärkte“ zu beunruhigen, um nicht das „scheue Reh“ Kapital zu vergrätzen, um nicht die satten Bürgerinnen und Bürger aufzurütteln.

Wir müssen uns – im Sinne einer Sicherstellung der längerfristigen Zukunft – vermehrt grundsätzlichen Fragen und Entscheidungen stellen. Den Kopf unter das Kopfkissen zu stecken, löst die Probleme nicht. Die Schönredner unter den Politikern, die uns eine heile Welt von „weiter so wie bisher“ vorgaukeln wollen, sollten wir in diese schöne heile Welt schicken und sie von jenen ablösen lassen, die uns reinen Wein über die Probleme einschenken, Lösungsoptionen mit uns diskutieren und auch konfliktträchtige Entscheidungen vorbereiten – und diese dann umsetzen. Mehr von allem und Weiter so wie bisher geht nicht mehr. Die Wahrheit ist uns zumutbar

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Vorsprung durch Technik?

(Unter dem Titel: Deutsches Auto, österreichisches Problem in der Zeitschrift Falter 32/17 etwas verändert veröffentlicht)

Die Skandale reißen nicht ab: zuerst die Dieselmanipulationen, die in den USA zu sehr hohen Kosten führen. VW ist bisher zu Strafen und Kompensationen von 22 Mrd € verurteilt worden. Jetzt der Kartellverdacht gegen die deutschen Autohersteller und Bosch: diese hätten zulasten ihrer Käufer und der Umwelt seit 1990 verbotene Absprachen getroffen, die nicht nur – wie sie behaupten – die Technologieführerschaft Deutschland befestigt hat, sondern zu kostensparenden gemeinsamen Einsparungen geführt hätten. Es geht unter anderem um die Größe jener Tanks, mit denen Harnstoff die Dieselabgase weitgehend neutralisieren kann. Geschädigt sind Umwelt und KäuferInnen.

Die noch zu erwartenden Strafen und die unzulänglichen Versuche der Hersteller, in Europa durch Software das Problem aus der Welt zu schaffen, wiegen angesichts der Entwicklungen auf dem globalen Mobilitätsmarkt weniger als der Imageverlust und der Nachholbedarf bei elektrischen und selbstfahrenden Autos. Endlich erkennt die internationale Gemeinschaft, dass es angesichts der Umweltprobleme, der Staus, der Verödung ganzer Städte durch geparkte und im Schneckentempo kriechende Autos nicht weiter um Autobesitz gehen kann, sondern um „Mobilitätsdienstleistungen“, also: wie komme ich am besten – und im gesamtgesellschaftlichen Sinne schonendsten Weg – von hier nach dort. Wir kennen die alte Diskussion um öffentlichen versus privaten Verkehr, aber jetzt sehen wir riesige Umwälzungen (v.a.in den USA, in China, in Korea) mit Elektrofahrzeugen und mit„autonomem“ Fahren. Carsharing war hier nur ein Anfang. Bei diesen Entwicklungen hinkt die Hochtechnologienation Deutschland, deren Autoindustrie der ganze Stolz ihrer Politiker ist, hinten nach, weil sie auf die Optimierung von Verbrennungsmotoren gesetzt hat.

Durch die Strafen und die Rückstellungen wird bereits jetzt die Investitionstätigkeit deutscher Autofirmen eingeschränkt. Der Einbruch ihrer Börsenkurse, der das sinkende Vertrauen der Investoren anzeigt, tut sein übriges. Die deutsche Politik, voran Bayern, aber auch die Bundesregierung, hat bisher ihre schützende Hand über die Autoindustrie gehalten. Das geht nicht mehr. Das kürzliche Gerichtsurteil, dass Stuttgart (alte) Dieselautos verbieten muss, die Ankündigung von Volvo, in 2 Jahren nur mehr Elektroautos zu bauen, die Ansage Großbritanniens und Frankreichs, ab 2040 Diesel- und Benzinautos zu verbieten, Verbote einzelner Städte – all dies muss die deutsche Autoindustrie alarmieren. Ein etwaiges Verbot von Verbrennungsmotoren ab 2030 würde dort 320.000 Arbeitsplätze gefährden. Deutschland, das seine Reputation als Technologieführer zu verlieren droht, gerät gegenüber seinen internationalen Konkurrenten ganz massiv in Nachteil. Viele der neuesten Entwicklungen kommen nicht von den traditionellen Autobauern und Tesla, sondern von „betriebsfremden“ Newcomern wie Google, Amazon, Microsoft und Alibaba. Deutschlands Leitindustrie ist für diese Zukunft schlecht gerüstet.

Und Österreich? Unsere Fahrzeugindustrie generiert jährlich etwa 14 Mrd € an Umsatz und beschäftigt 30.000 MitarbeiterInnen. Ein massiver Marktanteilsverlust von Deutschland im globalen Mobilitätsmarkt würde auch Österreich, das besonders stark auf Dieselmotoren setzt (BMW-Werk in Steyr, AVL-List in Graz) schwer treffen. Eine öffentliche Diskussion darüber, wie mit dieser prekären Lage umzugehen ist, fehlt. Die schützende Hand der Politik über die Verbrennungsmotoren-Industrie erweist sich als Innovationsbremse: die niedrigere Mineralölsteuer für Dieseltreibstoff, die Förderung von Verbrennungsmotoren-Standorten, alles mit der Argumentation der sonst bedrohten Arbeitsplätze, hat die Firmen fehlgelenkt. Sie haben Technologien in einem Bereich optimiert, der keine Zukunft hat. Auf die Warner hat man nicht gehört.

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12 Steps Towards “Fair” Globalization

 

New Globalization“

Today‘s globalization, (largely unhindered cross-border flows of goods and services, financial services, investments and persons) has increased and changed form since the liberalization of capital flows („Big Bang“) in the early 1980s. Richard Baldwin (2016) adds that this „new globalization“ or „Hyper-Globalization“ is characterized by the importance of knowledge flows across borders. These made possible a different business model from previous times, because it makes it profitable to create „value chains“ across borders in order to cost-efficiently produce products and services. A new division of labor across the globe is the result, where multinational corporations locate and source components according to the location‘s cost advantages, resource availability, and know-how. Globalized finance helps to eliminate previously existing barriers.

This „new globalization“ has also changed the previously existing balance of (political) power between workers, capital and the state by giving multinational corporations (MNC) previously unknown access to capital and political influence (Rothschild 2005). It also creates a new division in every country between large corporations – which yield political influence by being able to threaten „exit“ (Hirschmann 1970) if their conditions for no or light regulation and first-class infrastructure are not met – and the large number of medium and small-scale enterprises which need protection from the state in order to uphold competition, prevent oligopoly and to promote exports. As during the past 40 years the influence of organized labor has been reduced, MNC are able to influence and prevent rules and regulations which might threaten their profitability. They prefer a „flat earth“ without impediments to their global investment decisions (Rothschild 2009). Thus, a major power shift has occurred between the decades after World War II, when there was a relative balance of power between (organized) labor, capital and the state. Today, large corporations have captured the state (Altzinger 2017) and can play workers from different locations against each other.

The resulting long-term stagnation of real wages in the OECD countries, the increase in income and wealth inequality (Piketty 2014, Milanovic 2016), the increased pressure and labor flexibility on working conditions, have promoted the loss of confidence of large parts of the populations in OECD countries in their governments, their „elites“. The election and activities of D. Trump in the US, the Brexit vote in Great Britain, the rise of right-wing „populist“ parties in many European countries – all these are results of these changes in technology and the concomitant „new globalization“ (Rodrik 2016, 2017). A pervasive sense of existential insecurity, fear about the future and resistance to change are the result. Their exploitation by populist politicians threaten society‘s cohesiveness.

While the rising power of MNC, many of which are able to avoid paying (their fair of) taxes in their home countries (Zucman 2016), threatens the very existence of the global order and has reduced the power of regulation of nation states, populist politicians extol the virtues of exactly this nation state („America first“; Russian expansionism; „take back control“,etc.). While rational argument would call for global regulation of MNC (and thus globalization), since national regulation has decreased, previous attempts of establishing effective global governance (UNO, G-7, G-20) are effectively being dismantled, and more and more countries „go it on their own“ (Bayer 2017). In the meantime, populations distrust established political institutions and parties, sometimes hoping and supporting „strong men“ or political movements (5 Stelle, FPÖ, AfD, Front National, etc.) which promise „easy solutions“, disregarding the complexity and especially the inter-relatedness of economic ties. The failure of establishing globally accepted governance structures gives way to the stronger setting the rules, at the expense of global society. This asymmetric power structure threatens not only the liberal global order which extolled free trade, but also the cohesiveness of national societies, and thus political stability.

Single Market as „Super TTIP“

The EU Single Market is probably the „role model“ of this new globalization, if at a regional level. Its basic premise of the „Four Freedoms“ (unfettered movement of capital, finance, goods and labor across EU borders) has been called „TTIP on steroids“ by R. Baldwin (2016b). By TTIP is meant the Trans-Atlantic Trade and Investment Partnership which was negotiated between the EU and the US for a number of years, and has recently been stalled, in Europe because of large protests by citizens, in the US because of the President‘s „America First“ agenda. Many of the new trade agreements between the EU and a number of countries (Canada, Japan, Korea, among them) likewise go far beyond „traditional“ trade agreements which were mainly concerned with removing tariffs and quotas. Now they also atttempt to reduce non-tariff barriers, i.e. technical and quality regulations on goods (and services), promote cross-border investment and install grievance and arbitration mechanisms outside countries‘ judicial systems. Critics claim that they unilaterally benefit the profitability of large corporations, threaten labor conditions and jobs, lead to a race-to-the-bottom with respect to health and phytosanitary as well as environmental regulations, and threaten national and regional identities under the guise of promoting trade and lowering costs. National governments only recently have begun to take the backlash against these agreements – seen as the epitomy of globalization – seriously. However, still the U.S. President wants trade agreements which benefit America, the EU continues along this path with a number of trade agreements in the pipeline, Asian countries are attempting to revive TPP (Trans-Pacific Trade Agreement) without the US, while at the same time the relevant global institutions, in this case the World Trade Organizations, are left to languish.

The Positive Side of Globalization

Foreign trade is one of the mainstays of economic betterment. After World War II trade has expanded approximately twice as fast as world GDP, benefitting many countries and their citizens, if in an unequal manner. The „new“ globalization, if left unregulated, however has reached limits of acceptability in the OECD countries. The point is not to stop trading across borders, but to spread its benefits to all countries and to all citizens – without further endangering the vulnerable environment.

Globalization cannot be reversed. Cost advantages in three areas are of essence and will also in the future drive aspects of globalization: Transport costs have already reached a new low: inclusion of the damages done to the environment would increase costs and lead to more localized production; Costs for the transmission of ideas have decreased by means of new information and communications technologies. More can be expected; The third component, the costs of outsourcing persons with knowhow, which today are still high and hold the owners of know-how close to headquarters, will only change significantly once artificial intelligence makes these persons‘ local presence obsolete – and will then lead to a new level of globalization (Baldwin 2016). But even if globalization cannot be reversed, it can be regulated in such a way as to benefit all people, instead of only large corporations (Rodrik 2016).

Power and Regulation

A strategy to rein in globalization encounters more than just technical problems. It involves a power struggle, in order to re-establish the tri-partite balance of power between labor, capital and state (Rothschild 2015, Brand 2017). Without being naive, this requires the „people“, as workers and consumers, as providers of taxes and family services, as the nucleus of society, to step up and challenge the lobbying and real power of the multinational corporations and their influence on the state. In many instances, civil society in all its formations, has attempted to regain power, and has been partially successful at the local and sometimes national levels. While this assumes that „the people“ have homogeneous interests, in reality populations are also split into various views-of-the-world and the ensuing positions. But before tackling these „internal divisions“ it would be important to step up to get governments to once more pursue the interests of the „99 percent“.

12 Steps

Abstracting from the power question, the following steps could make globalization more acceptable to workers and consumers, because if successful citizens would see that they can benefit from it. These steps are also designed to make globalization pursue sustainability objectives, thus combining economic, social and environmental benefits in an even way.

1. Take stock of existing trade and investment and migration regimes with a view to analyze social and environmental effects. This analysis needs to be accomplished both at a national and a global level. Effects need to be analyzed also according to income levels, social effects and which interest groups benefit or suffer losses.

2. Each country‘s and region‘s economic policy decisions should be based on a regular consultation and dialogue with social partners and non-governmental organizations, with a view to find the desired foreign involvement of the economy and society. Effects on labor markets, social transfers, health and environment should be discussed. This should be the basis for economic policy and foreign trade and investment decisions. In effect, this may lead to lower foreign exposure than today – without leading to misplaced autarky ideas or undue protectionism. Considerations must go far beyond what businesses call „Standortpolitik“ – gaining competitive advantage over foreign rivals and leading to a run on corporate tax rates and putting environmental and social concerns under pressure. Not only defensive policies must be considered, but a broad spectrum of training, labor market, innovation, social and environmental policy measures are necessary to prepare the population for further globalization – and make it more palatable.

3. The domestic market of the EU (at present 508 Mill people and 16 trill $ GDP) is large enough to compensate for some lost export opportunities mentioned above. The aim of the EU must be to improve social cohesion, public health, environmental situation, in short increase the wellbeing of their populations and remain „competitive“ also on the cost side. Some outsourced component productions can be repatriated, barriers can and should be erected against predatory and potentially politically motivated mergers and acquisitions by foreign state-related companies. The existing mechanisms within the EU to compensate for such losses need to be strengthened.

4. Further active strategies to promote globalization need to give equal weight to environmental and social concerns, as to economic ones. Close inclusion of civil society into decision-making can reduce the negative (perceived or real) effects of further globalization. They also strengthen democracy. The general interests of society need to trump interests of those groups that have up to now one-sidedly profited from globalization.

5. Since the internal structures of global supply chains are not known to public regulators, multinational corporations need to be fully transparent about what is produced where, which costs arise where, where which social and environmental effects occur and where they pay how much in taxes. Such binding regulations must be effected at the EU level, single-country regulations can easily be subverted.

6. As well as tax transparency and the establishment of minimum corporate tax rates, corporations must be made committed to follow strict corporate social responsibility rules. Existing voluntary rules are not sufficient. Society as stakeholder must trump narrow shareholder value activity.

7. When trade agreements are concluded between countries/regions with very different levels of income and social and environmental standards, protective mechanisms, e.g. like those used to hedge against foreign exchange fluctuations, need to be installed.

One possibility would be to force enterprises which outsource components to pay part of their cost savings into a fund from which both new employment and training for those who lost their job could be financed, but also labor relations, income and social protection for the host country could be improved. A higher taxation of profit could also contribute to this fund.

During gobalization the share of labor in OECD countries has fallen significantly (Milanovic 2016). This calls for a very basic discussion on how the gains from globalization should be divided and how taxation of global companies should be levied. OECD and IMF have begun to make efforts to propose international rules, but much more will be needed to revert to a fairer distribution of income.

8. The downward escalation of corporate tax rates – argued by individual states as necessary to maintain „competitiveness“ of the location needs to be stopped. Transfer pricing, low or zero tax rates, storing profits and tax havens – all these need to stop. The best way to achieve this would be to reverse the burden of proof, i.e. enterprises would have to prove that they have paid appropriate taxes where the economic activity occurred. An international body, akin to the Basle Committee, should ascertain the fairness of local acquisition of firms regimes and prevent competitive bidding by offering unfair benefits to investing companies.

9. The dogma that markets in less developed countries need to be opened to foreign competition needs to be qualified as a development strategy. Effects of market access on local (small) producers, especially in the food sector, on local handicraft production on small and medium-sized enterprises, on national and cultural customs need to make way for more autonomous development paths which also accept traditional „infant industry“ arguments as legitimate.

10. The dogma of free capital flows which affords (largely anonymous) capital markets the role of assessing individual countries‘ developments and policies must give way to a global financial policy which is driven by the interests of all of society. International financial institutions must accept that stability of investment relations have to have precedence before the short-term interests of financial investors. National banks must become accountable to national and global society.

11. Forthcoming trade agreements (Baghwati has called the likes of TTIP and TTP „non-trade agreements“) are positive insofar as they further reduce tariff barriers and quotas, but must refrain from levelling standards (Rodrik 2016). This is especially true for trade agreements between countries and regions with very different cultural traditions, since elimination of culturally important standards especially threatens citizens‘ identity and thus trust in the political system. Inclusion of direct investment requires renewed discussion, especially with respect to foreign takeovers of basic social and economic infrastructure. Dispute resolution mechanisms need to be publicly legitimated and integrated into existing legal systems.

12. From a global perspective, and especially concerning less developed countries, elimination of patent protection could reduce some of the excesses of modern globalization. It would promote know-how transfer from more into less developed countries, would reduce exorbitant costs of pharmaceuticals for some of the ravaging diseases and could speed up the development process. It would need to be accompanied by mechanisms producing positive incentives for further pharma (and other) research benefitting mankind where health reasons require it most strongly.

Conclusion

Unfettered globalization has created fear and insecurity because of its uneven effects on income distribution, the deterioration of the environment and the pressure of the liberal welfare state. It threatens the cohesiveness of societies, sows distrust into the political process and leads to xenophobic and protectionist tendencies exploited by populist politicians. It has reduced the regulatory power of nation states to a minimum, without this gap being filled by global governance structures. If left to itself, globalization will lead to a „winner-takes-all“ situation where large and strong enterprises reap all the benefits of globalization, at the expense of social cohesion, the welfare of citizens and the environment. But globalization can be reined in and benefit citizens rather than corporations, if:

– a socially-based economic and foreign trade policy gives equal weight so economic, social and environmental considerations

– the gains from trade and foreign investment are redistributed to those whose jobs have been lost and to the host countries‘ social and labor market improvements

– the fight against tax dodging by large corporations is taken seriously, such that taxes are paid where the economic activity occurs

– differences between regions of standards are seen as part of cultural and historical identities and thus protected from international competition, rather than being seen as non-tariff barriers to trade

– in international negotiations and institutions, the interests of less developed countries are given adequate weight, irrespective of their size and economic development.

Such steps go beyond technical solutions and will require a fierce power struggle. Vested interests in the present system by large multinational corporations and large developed countries need to be tackled to the benefit of global society at large.

Literature:

Altzinger Wilhelm, Globalisierung, Verteilung und Demokratie: Gibt es eine Transformation zum patrimonialen Kapitalismus? In: “Jahrbuch Normative und institutionelle Grundfragen der Ökonomik”  · Band 16 –  Kapitalismus, Globalisierung, Demokratie, Martin Held, Gisela Kubon-Gilke, Richard Sturn (Hg.); Metropolis-Verlag (in print)

Baldwin Richard, The Great Convergence. Information Technology and the New Globalization, Harvard University Press, Cambridge, Nov. 2016

Bayer Kurt (2016). Digitalization, Mode of Production and Working Conditions – A Primer, https://kurtbayer.wordpress.com/2016/09/17/digitalization-mode-of-production-and-working-conditions-a-primer, 17.9.2016

Bayer Kurt, Giner-Reichl Irene (Hg), Entwicklungspolitik 2030. Auf dem Weg zur Nachhaltigkeit, Manz, Wien 2017.

Bayer Kurt. Wie könnte „Gute Globalisierung“ aussehen? Wirtschaft und Gesellschaft 43, 2, 2017, Wien

Brand Ulrich, Wissen Markus. Imperiale Lebensweise, oekom, München 2017

Bürger Hans, Rothschild Kurt. Wie die Wirtschaft die Welt bewegt, lesethek, Wien 2009.

Hirschman Albert. Exit, Voice and Loyalty. Harvard University Press, Cambridge, Mass., 1970.

Milanovic, Branko. Global Inequality: A New Approach for the Age of Globalization, Belknap Press, Harvard 2016.

Rodrik, Dani (2016a). From Hyperglobalization to Sensible Globalization, Sept. 16, 2016, www.rodrik.typepad.com.

Rodrik, Dani. (2016b). Don’t Cry Over Dead Trade Agreements, Project Syndicate, Dec. 8, 2016, https://www.project-syndicate.org/commentary/no-mourning-dead-trade-agreements-by-dani-rodrik-2016-12

Rodrik, Dani, Populism and the Economics of Globalization, #23559 (IFM ITI POL) http://papers.nber.org/papers/W23559?utm_campaign=ntw&utm_medium=email&utm_source=ntw

Rothschild Kurt, New Worlds – New Approaches. A Note on future Research Strategies, Kyklos 58/3, 2005

Zucman, Gabriel, Taxing Across Borders: racking Personal Wealth and Corporate Profits, Journal of Economic Perspectives 28/4, 2014.

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