Ja, derfen’s denn des (die Weltbank-Angestellten)?

Am 8. August hat die Standesvertretung der 15.000 Weltbank-Angestellten einen offenen Brief (staffassociation@worldbank.org) an die Mitglieder des 25 Personen umfassenden Executive Board (Verwaltungsrat) geschrieben, in welchem sie fordert, dass bei der in einem Jahr anstehenden Neuwahl des Weltbank-Präsidenten endlich der von den Gouverneuren bereits 2011 für die Wahl 2012 verlangte „offene, leistungsorientierte und transparente“ Such- und Auswahlprozess tatsächlich durchgeführt wird.

Tatsache ist, dass in der seit 70 Jahren bestehenden Weltbank (sie wurde gemeinsam mit dem Internationalen Währungsfonds 1944 in Bretton Woods gegründet) durchwegs US-amerikanische Männer zu Präsidenten bestimmt wurden (im Währungsfonds durchwegs Europäer, seit dem unrühmlichen vorzeitigen Abgang von Dominique Strauss-Kahn erstmals mit Christine Lagarde eine Frau). Skurril ist natürlich, dass die Gouverneure der Weltbank (meist die Finanzminister der 186 Mitgliedsländer) 2012 ihre eigene Forderung nur für den Suchprozess einhielten – da gab es eine exzellent ausgewiesene Gruppe von Bewerberinnen und Bewerbern auch aus Schwellen- und Entwicklungsländern – aber dann doch wieder einen zwar honorigen, aber den Anforderungen einer riesigen Entwicklungsorganisation nicht gewachsenen US-Amerikaner bestellten.

Seither ist die Unruhe in der Bank groß. Präsident Kim hat einen noch immer nicht abgeschlossenen tiefgreifenden Umstrukturierungsprozess eingeleitet, der zum Abgang unzähliger hoher und mittlerer Managerinnen und ExpertInnen führte und im „Rest“ der Belegschaft Unsicherheit und große Unruhe erzeugt hat. Die jährliche Umfrage in der Belegschaft über ihre Zufriedenheit mit der Bank, ihrer Mission und dem Top-Management zeigt, wie der Offene Brief ausführt, großes Engagement der Belegschaft, jedoch weiß nur weniger als ein Drittel, wohin das Management die Bank führt. Und noch weniger Personen meinen, dass die Führung der Bank eine Kultur der Offenheit und des Vertrauens lebt.

In diesem Sinne verlangt die Belegschaftsvertretung für die Neuwahl ein klares Anforderungsprofil, einen internationalen, transparenten Suchprozess, der von einem glaubwürdigen Suchkomitee geleitet wird, sowie einen transparenten Interview- und Auswahlprozess.

Innerhalb der Weltbank kommt dies einer Sensation gleich: die Belegschaftsvertretung hat keine verbrieften Mitwirkungsrechte bei der Präsidentenwahl, und kann auch bei vielen relevanten inhaltlichen und personellen Entscheidungen nicht mitreden. Sie wird nur in Gehaltsfragen und in Fragen der Arbeitsbedingungen, etc. konsultiert. Dass sie bereits zum jetzigen Zeitpunkt sich so exponiert, zeigt den hohen Grad der Unzufriedenheit mit dem amtierenden Präsidenten, und noch mehr mit den Eigentümern der Bank, die ja letztendlich den Präsidenten, die Präsidentin wählen. Die Belegschaftsvertretung verlangt nicht mehr und nicht weniger, als dass die Bankorgane bei der Wahl des Top-Management dieselben Kriterien anlegen, die die Weltbank von ihren Mitgliedsländern bei der Vergabe von Krediten verlangt: gute Führung, Transparenz, Diversität, internationaler Wettbewerb und qualifikationsbestimmte Selektion.

Es sind ja nicht „nur“ die Anliegen der Belegschaft, die eine solche scheinbare Selbstverständlichkeit verlangen: die Schwellen- und Entwicklungsländer fordern schon seit vielen Jahren eine Änderung der Stimmgewichte in der Bank (und im IMF), damit eine stärkere Vertretung im Verwaltungsrat mit Mitgliedern aus Entwicklungs- und Schwellenländern, und damit auch mehr Einfluss auf die Richtung und Gebarung dieser wichtigen weltweiten Institutionen (IMF und Weltbank). Die USA und Europa, bzw. die OECD-Länder halten in diesen Institutionen die überwiegende Mehrheit der Stimmgewichte, und weigern sich, dieser sinnvollen Forderung nachzugeben. Nach langjährigen Verhandlungen ist das Stimmgewicht Chinas im IMF nunmehr auf heiße 6.1%, in der Weltbank auf 4.6% (von 2.8%) angehoben worden. In beiden Institutionen verfügen die USA über ein über 15% hinausgehendes Stimmgewicht, können somit alle wichtigen, mit qualifizierter Mehrheit (85%) abzustimmenden Angelegenheiten blockieren. Wichtige Schwellenländer haben kürzlich auf diesen Ausschluss von wichtigen Entscheidungen durch die Gründung der New Development Bank (BRICS Bank, Brasilien, Russland, Indien, China, Südafrika) reagiert, sowie China durch die Gründung der Asian Infrastructure Investment Bank (AIIB), wo diese Länder große Finanzmittel einsetzen und vor allem „ihre eigenen Regeln“ machen wollen. Sind diese (und andere) Gründungen erfolgreich, zerfällt das notwendige Ideal einer einheitlichen globalen Wirtschafts-Governance weiter in viele Fragmente. In einer Zeit der großen politischen und wirtschaftlichen Unsicherheiten eine fatale Entwicklung.

Die Schwächung der Weltbank unter dem derzeitigen Top-Management (kürzlich wurden auch die sozialen und Umweltauflagen für Weltbankkredite reduziert) ist nicht nur ein internes Problem dieser Institution. Für an die Bedeutung von international breit akzeptierten Institutionen als Garanten für gedeihliche Entwicklung der Weltwirtschaft glaubende Menschen muss der Brief der Belegschaftsvertretung ein Alarmzeichen darstellen. Es ist zu hoffen, dass sich der österreichische Gouverneur der Weltbank, der Finanzminister, spätestens bei der nächsten Weltbanktagung im Herbst (und schon vorher im Verein mit gleichgesinnten europäischen Finanzministern) positiv zum Anliegen der Weltbank-Angestellten äußert. Es geht um die Glaubwürdigkeit und Akzeptanz einer globalen Institution.

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An Uninteded Effect of Brexit: new interest in Industrial Strategy

Brexit led to the (deserved) demise of the Cameron government. Rapidly, the new prime minister, Theresa May, abandoned Goerge Osborne’s austerity commitment, delaying his cherished balanced budget objective beyond the envisaged 2020 date, and, maybe more importantly, calling for a new „industrial strategy“ in order to get the economy moving again. She proposed to make the economy work for all of society, not only for the „1%“.

The most recent assessment of the British economic situation after Brexit has led the Bank of England to announce a cumulative -2.5% deviation from its previous (May 2016) growth path until 2019 , with the economy not growing at all in 2017. This might be an over-optimistic forecast, as the deputy governor stated on August 4, when the Bank lowered its policy interest rate to 0.25% (from 0.5%) and resumed a 60 bn GBP quantitative easing program, accompanied by a 10 bn GBP program to make sure that banks would on-lend this money to the „real“ economy.

By now we all should know that the welcome activism of national banks, like the Bank of England and the European Central Bank in fighting deflation and recession, are not enough. World output is expanding only slowly (3%), the European economy is growing only at a bit more than 1%, unemployment is excessive, disaffection by voters with their governments is increasing and leading to an upsurge of (mainly right-wing) populist activity and fragmentation of society (this does not list the severe problems of terrorism, civil wars, migration, and more). Fiscal policy, the Siamese Twin of monetary policy restrains itself either by ideological infatuation (Osborne) or self-administered fiscal rules (EU), which single-mindedly pursue budgetary balance and allow only very limited expansion of budget deficits even in times of quasi-recession.

But the revival of thinking and even talking about „industrial“ strategy is welcome. We should all have learned by now that government involvement in the economy towards a sustainable growth strategy is needed, that sustainable growth does not come by itself. Vested interests for a wasteful, self-serving economy are too strong. In times of dormant „animal spirits“ when innovation activity is low and investment is lagging, well-chosen government interventions must stimulate demand, but demand of the right kind. During the stagnation of economies since the onset of the financial crisis (2008) much industrial capacity has been destroyed or become obsolete. Thus, government policy is needed to stimulate all societal capacity (both private, public and in-between) to get moving again. This would call less for what used to be called „sectoral“ industrial policy where individual sectors, e.g. ICT are stimulated, but rather for what in a 1994 blueprint for an industrial/innovation strategy we called „mission-oriented“ strategy. Such a strategy would define „missions“ (the Apollo Mission to put a man on the moon is the most-often quoted, if too heroic, example) and activate many sectors, many actors to cooperate towards fulfilling this mission. Today’s „missions“ could be combating climate change, solutions towards old-age care in our ageing societies, fighting unemployment, etc. Mariana Mazzucato, the Italian economist teaching in Britain, has convincingly laid out the argument for government involvement in industrial/innovation strategy in her pathbreaking book „The Entrepreneurial State“. She shows that most major innovations were spill-overs from government-led initiatives, even in entrepreneurial and anti-statist United States. Getting firms and experts to cooperate across sectors, getting long-term stable financing in place, marshalling government procurement strategy towards nurturing innovation, connecting research institutions with business, re-thinking patent protection to promote innovation – and setting standards – are some oft he instruments she proposes.

In the seminal Welfare, Wealth and Work for Europe project, led by the Austrian Institute of Economic Research with 32 European research institutions, an industrial strategy combining economic, social and environmental objectives is proposed, by renewed efforts to promote innovation, improve education efforts, marshall all available resources in an effective way, with the aim to achieve long-term improvements in „beyond-GDP“ objectives, i.e. in human well-being encompassing social, environmental and economic aspects.

A more instrumental approach has recently been proposed by Keynes biographer Robert Skidelsky („A tweak to helicopter money will help the economy take off“, Financial Times August 5, 2016). He refers to the 110 year old idea of Silvio Gesell, who proposed to get the economy going by giving each citizen a certain amount of money (e.g. € 1.000) and require the balance of money to be stamped at the local post office every month, for which the citizen would have to pay (an implicit tax). Thus, there would be an incentive to spend this money quickly, thereby enhancing monetary circulation and effective demand. In this manner, money would not be hoarded as it is now when Quantitative Easing  money languishes in the banks or gets „invested“ in non-productive assets (e.g. real estate, or stocks) driving up their value. Today, this effect could be achieved by giving each registered voter a pre-paid debit card containing e.g. € 1.000, programmed to have its balance automatically reduced by a certain percentage („Gesell’s Schwundgeld“). Skidelsky would go beyond Gesell, however, and accompany such a program with a monetary-financed („horribile dictu“ in ECB jargon!) public investment program, improving Britains’s infrastructure. Skidelsky would additionally use the leeway Britain gained by the Brexit vote by giving preference to British businesses competing for such public procurement contracts. In this way, there would be a boost to consumer demand, investment demand for British producers (do they exist?) and – a possibility Skidelsky does not mention – a Mazzucato-like boost to innovation. As the Germans would say, such a program is an „eierlegende Wollmilchsau“, a pig which gives milk, eggs and wool – a synonym for „getting your cake and eating it, too“.

The renewed interest and pursuance of an „industrial strategy“ is welcome. It aims to overcome the ideology-driven abhorrence of government intervention, espoused by neo-liberal thinkers and practitioners. Cleverly designed, it can be an „optimal“ combination of monetary policy, fiscal policy and supply-side Structural policy, with the intended effect to lead our fledgling economies to a long-term sustainable path and to eventually overcome the devastating effects on our societies of the persisting financial crisis and the supply-side shock of Brexit.

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Ist Brexit der Vorbote des Endes der parlamentarischen Demokratie in Europa?

In den repräsentativen Demokratien „westlichen Zuschnitts“ gehen Gesetzesinitiativen üblicherweise von der Regierung oder den Parlamenten aus, und werden vom Parlament beschlossen. Das vor einem Monat überraschend verlaufene Ergebnis des Brexit-Referendums wirft dieses Muster über Bord. Dieser Punkt ist bisher kaum in der öffentlichen Debatte aufgegriffen worden. Es ist beunruhigend, dass dies ausgerechnet in Großbritannien, das landauf-landab als „Mutter der modernen repräsentativen Demokratie“ gefeiert wird, passiert.

Hier hat die Bevölkerung (zumindest jener Teil, der sich am Referendum beteiligte, etwa 72% der Wahlberechtigen) mit Mehrheit (von 51.9%) entschieden, dass das Vereinigte Königreich aus der Europäischen Union austreten solle. Damit wurde gegen den Willen der Regierung und gegen die Mehrheit des Parlaments (zumindest nach Meinungsumfragen) entschieden. Da die Regierung Cameron 2013 die Entscheidung gefasst hatte, im Falle eines Wahlsieges (2015 eingetreten) ein solches Referendum zuzulassen und das Ergebnis jedenfalls zu respektieren, also auch keine Abstimmung darüber im Parlament zu initiieren, muss die neue Regierung May („Brexit means Brexit“!) nun die unendlich langen und schwierigen Verhandlungen umsetzen, die auf UK und EU-Seite immense Volumina an Zeitaufwand, menschlichen Ressourcen und letztlich auch finanzielle Kosten verschlingen und von der Lösung vieler anstehenden Probleme ablenken werden.

„Das Volk“ nimmt also Regierung und Parlament das Heft aus der Hand und zwingt diese, den Auftrag aus der EU auszutreten, umzusetzen! Das ist eine wahrhaftige Revolution im parlamentarischen Geschehen. Von meiner Seite (und auch von vielen anderen Personen) wurde schon lange für viel mehr Teilhabe der Bevölkerung am politischen Geschehen plädiert – doch diese Art und die Vorgangsweise, wie die Brexit-Kampagne gelaufen ist, entspricht jedenfalls nicht diesem Wunsch nach stärkerer Partizipation der Bevölkerung in die Entscheidungsvorbereitung von wichtigen Gesetzesmaterien.

Die Problematik ist folgende: 37% der Wahlberechtigten bestimmen eine lebenswichtige Entscheidung, die Auswirkungen für Generationen haben wird. Es stellte sich heraus (zum Teil war dies schon während der Kampagne klar), dass die Brexit-Befürworter überhaupt keine ausgearbeitete Vorstellung davon haben, wie das UK nach einem Austritt verfasst sein soll, wie seine Beziehungen zur EU sein sollen, welche Rolle ein mittelgroßes Land allein in der Welt spielen kann. Die Wähler wurden dadurch „gezwungen“, einen äußerst diffizilen Fragenkomplex auf ein einfaches ja-nein zu reduzieren, wodurch die auch durch die Cameron-Regierung (vor der Kampagne) geschürten Anti-EU-Ressentiments die Oberhand bekamen. Die inzwischen von mehr als 3 Millionen UK-Bürgern unterzeichnete Resolution für ein zweites Referendum spricht hier deutliche Worte. Darüber hinaus ist es nicht gelungen, andere Kritikpunkte der Bevölkerung (an der eigenen Regierung, an den oberen Tausend, an den „Eliten“) aus dem Referendum herauszuhalten.

Die Ausschaltung des Parlaments durch Regierungsbeschluss, wo zumindest eine geordnete Debatte mit vorbereiteten Beiträgen, Gutachten und allgemein zugänglichen Informationen möglich gewesen wäre, ist ein zweiter grundlegender Bruch mit den üblichen Standards einer repräsentativen Demokratie. Natürlich wäre es politisch für Cameron oder May schwer gewesen, eine Abstimmung im Parlament durchzuführen, die höchstwahrscheinlich ein gegenteiliges Bild ergeben hätte: der Aufschrei der Brexit-Befürworter wäre bis Wien zu hören gewesen. Dennoch: wenn von der Verfassung das Parlament zur Entscheidung berufen ist („Österreich ist eine demokratische Republik. Ihr Recht geht vom Volke aus“ (Dank an Gerhard Gunz für diese Richtigstellung)), welches vom Volk gewählt ist, dann ist dessen Ausschaltung in einer so wichtigen Frage ein gewaltiger Umbruch. Dieser freut die mehr „Volksentscheidungen“ verlangenden Rechtspopulisten, zeigt aber die Gefahren des möglichen Missbrauchs solcher Volksentscheide – vorbei an den Parlamenten – auf. Wir sehen gerade in der Türkei, wo sich der Präsident ja auch auf den „Willen des Volkes“ nach möglicher Einführung der Todesstrafe beruft, wohin dies führen kann.

Der Austritt des UK aus der EU bedeutet sicher nicht das Ende der Welt: er könnte jedoch Schule machen. Zum mindestens aber stellt die Vorgangsweise einen schweren Bruch mit den demokratischen Traditionen Europas dar – und verursacht auf britischer wie EU-Seite ganz gewaltige Kosten zu einem Zeitpunkt, wo viel drängendere Probleme (Nahost, Ukraine, Russland, Migration, sich auseinander entwickelnde Gesellschaften) zu lösen wären. Droht das Ende der parlamentarischen Demokratie? Und: das UK ist ja nicht das einzige Beispiel in Europa: Ungarn, Polen und besonders die Vorgänge in der Türkei sind da schon viel weiter, die Rechtsnationalisten in Österreich, Frankreich, den Niederlanden und auch im Norden, Süden und der Mitte Europas drängen auch schon in diese Richtung. Es ist besorgniserregend.

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Jetzt Optionen für die BREXIT-Verhandlungen vorbereiten!

 

Am 7.6.2016 habe ich in einem Policy Brief für die Österreichische Gesellschaft für Europapolitik (www.oegfe.at) , und drei Tage später in meinem Blog (https://kurtbayer.wordpress.com) auf die Notwendigkeit hingewiesen, dass sich Österreich mit den Folgen eines BREXIT beschäftigen müsse. Das ist nicht geschehen. Nach dem Referendum wird dieses Manko noch viel gravierender. Parlament, Regierung und Öffentlichkeit müssen österreichische Positionen zu den Austrittsverhandlungen entwickeln. Damit kann nicht bis zur Eröffnung dieser Verhandlungen durch britisches Auslösen des in Art. 50 EU-Vertrag vorgesehenen Verfahrens gewartet werden, sondern es müssen bereits jetzt österreichische Optionen für eine Positionierung bei diesen schwierigen Verhandlungen diskutiert und vorbereitet werden.

Der neue britische BREXIT-Minister David Davis hat einen Beitritt Britanniens zum Europäischen Wirtschaftsraum ausgeschlossen. Damit wäre sowohl der Zugang zum Binnenmarkt als auch die Verpflichtung, die Vier Freiheiten (Güter, Dienstleistungen, Kapitalströme, Personen) zu übernehmen – eines der Hauptargumente für den Austritt – verbunden gewesen. Welche Optionen verbleiben?

  1. Voller Zugang zum Binnenmarkt, britische Regulierung von Personenfreizügigkeit: diese Option wurde vielfach von der Kommission und wichtigen EU-Ländern ausgeschlossen
  2. Selektiver Zugang zu einzelnen Sektoren des Binnenmarktes: dies wäre rechtlich kompatibel mit Beschränkungen von EU-Migranten durch Britannien. Für London wäre ganz besonders der Zugang zu kontinentalen Finanzdienstleistungen interessant, da der überdurchschnittlich große britische Finanzsektor damit weiterhin EU- und EURO-Geschäfte von London aus abwickeln könnte – und britische Finanzdienstleister keine gesonderten EU-Bewilligungen („passporting rights“) benötigen würden. Natürlich wären für London auch Zugänge zu EU-Warenmärkten wichtig, da die Industrie in viele Wertschöpfungsketten der EU eingebunden ist (zB Rolls Royce Flugzeugmotoren). Erste Wortmeldungen aus London lassen den Wunsch, ein solches Handelsabkommen abzuschließen, erkennen. Inwieweit und in welcher Form die 27 EU-Länder darauf eingehen, ist offen.
  3. Schweizer Modell: dieses besteht aus einer Vielzahl von Einzelverträgen der Schweiz mit der EU, die kein Grosses Ganzes ergeben. Ein solches Modell wäre extrem schwierig und langwierig auszuhandeln, aber auch in einem Gesamt-Handelsvertrag (Option 2) müssten die einzelnen gewünschten Sektoren in ihren Details verhandelt werden.

Das offizielle Österreich hat sich zu den von Österreich präferierten Modellen noch nicht geäußert. In einer ganzen Reihe von Bereichen (etwa der österreichischen Maschinenindustrie, des Bausektors, des Kraftwerkbaus und der Nahrungsmittelindustrie, sowie dem Tourismus) geht es um massive österreichische Interessen, die frühzeitig in die Überlegungen der EU eingebracht werden sollten. Dazu ist aber jedenfalls eine tiefgehende Diskussion im Parlament, in der Regierung und in der Öffentlichkeit vonnöten. Das Problem des „Rosinenpickens“, dass sich London besondere Privilegien herausverhandeln will, ohne Verpflichtungen zu übernehmen muß im Zwiespalt zwischen der Notwendigkeit, keine „Nachahmungstäter“ des BREXIT zu ermuntern und dem Wunsch, trotz BREXIT ein möglichst geeintes Europa (inklusive Britannien) gegenüber dem Rest der Welt zu präsentieren, diskutiert und entschieden werden. Dazu kommen schwierige Fragen der Finanzierung der EU, die für Österreich jedenfalls höher sein wird, da Britannien (wie Österreich) Nettozahler der EU ist, der gemeinsamen Außen- und Sicherheitspolitik, sowie natürlich die Fragen, was mit den EU-affinen Teilen des Vereinigten Königreiches (vor allem Schottland und Nordirland) geschehen soll.

Seit meinem letzten Aufruf zur professionellen Vorbereitung sind sechs Wochen ungenützt vergangen. Der „neue Regierungsstil“ erfordert neben innenpolitischen Initiativen jedenfalls auch eine intensive Vorbereitung auf diese schwierige Frage. Warum setzen Regierung und Parlament nicht eine Expertengruppe ein, die gemeinsam mit Interessenvertretungen und Zivilgesellschaft die für Österreich entscheidenden Fragen analysieren?

 

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Der BREXIT-Weckruf: Versteht die EU die Signale?

(in der Wiener Zeitung am 15.7.2016 veröffentlicht)

Der Ausgang des britischen EU-Referendums hat nicht nur den BREXIT-Befürwortern, sondern großen Teilen Europas eine aufrüttelnde und äußerst negative Überraschung beschert. Die Details der sehr schwierigen Austrittsverhandlungen, von wann denn der Austritt formell gezündet werden soll (erst ab diesem Zeitpunkt ist die EU bereit über die Zukunft zu verhandeln), bis zu dem bisher nicht existenten Plan der neuen britischen Regierung, wie denn in Zukunft Britanniens Beziehungen zur EU aussehen sollen (der Wunsch ans Christkind: voller Zugang zum Binnenmarkt bei gleichzeitiger Abschottung gegen Personenfreizügigkeit), liegen noch im Dunkeln. Den europäischen Behörden werden riesige Volumen an menschlicher Arbeitszeit und schwierigste Verhandlungen auferlegt, wo doch wahrlich genügend andere Herausforderungen da sind. Britannien hat sich und die EU durch beide Knie geschossen. Die ursprüngliche Absicht der BREXITEERS, die auch Ex-Premier Cameron unterstützt hat, war es ja, die „Rest-EU“ aufzurütteln und den innerparteilichen Frieden bei den Tories wieder herzustellen. Selten hat ein Premier eine so nach hinten losgegangene Taktik gewählt wie Cameron. Er wird als der Erschaffer von „Little England“ (außerhalb der EU und ohne Schottland, vielleicht auch Nordirland) im Gedächtnis bleiben: David allein zu Hause! Allerdings mit gewaltigen Kosten für viele andere.

Britannien muss mit dem selbst verursachten Schlamassel allein fertig werden. Allerdings ist dadurch auch die Weltwirtschaft, und natürlich die gesamte EU selbst, massiv beeinträchtigt. Nicht nur spielen die Finanzmärkte verrückt, nicht nur droht die sowieso weitgehend erfolglose Krisenbekämpfung der Finanzkrise die EU-Wirtschaft in eine weitere Rezession zu stürzen – das BREXIT-Votum hat der EU-Integrationsdynamik nach 60 Jahren den ersten ganz gravierenden Rückschlag versetzt. Und das zur Freude der fast überall in den EU-Ländern immer stärker werdenden, rechtspopulistischen, EU-Gegner. Le Pen, Wilders, Strache und Konsorten haben das in ihrem „Frühling in Wien“ schon vorweggefeiert. Sie wollen die Auflösung der EU, zurück zum „souveränen Nationalstaat“.

Die EU-Behörden zeigen sich bestürzt. Beim Gipfeltreffen der Staats- und Regierungschefs am 28. Juni haben sie diese Bestürzung gezeigt, Britannien eine konstruktive Lösung (ehebaldigst!) zugesagt, und als Abhilfe eine ganze Reihe von bereits lange auf der Agenda stehenden Initiativen, von der Lösung der Flüchtlingskrise, über die Digitalagenda, die unvollendete Bankenunion, bis zur Energieunion zur Beschleunigung vorgesehen. Darüber hinaus soll es einen „politischen Dialog“ der Regierungschefs geben, der in einem Treffen in Bratislava (seit 1. Juli hat die Slowakei die EU-Präsidentschaft inne) im September gipfeln soll.

Das reicht jedoch keineswegs, um die breit gefächerte Skepsis der EU-BürgerInnen in eine EU-freundliche Stimmung umzupolen. Meines Erachtens muss der Weckruf dynamische Aktivität in zwei Richtungen entfalten (die oben genannten Initiativen sind schön und gut, jedoch „business as usual“ und daher keineswegs geeignet, BügerInnen umzustimmen). Die EU-Stimmung (und das Vertrauen in die je eigenen Regierungen) wird sich nur bessern, wenn die EU-BürgerInnen tatsächlich merken, dass sich ihre persönliche Lage und die Zukunftsaussichten ihrer Kinder verbessern. Es reicht nicht, wenn die Zentralbanken weitere Milliarden für die strauchelnden oder an Unsicherheit leidenden Banken bereitstellen: das mag zwar notwendig sein, kommt aber jedenfalls nicht bei der Bevölkerung an. Im europäischen Strategie-Forschungsprojekt „Welfare, Wealth and Work for Europe (WWWfE)“, das vom Österreichischen Institut für Wirtschaftsforschung initiiert und geleitet wurde, wird eine integrierte EU-Strategie, die auf wirtschaftlicher Dynamik, sozialer Inklusion und Umwelt-Nachhaltigkeit beruht, vorgeschlagen. Während mittelfristig alle drei Elemente gleichrangig und gemeinsam zu verfolgen sind, ruft die derzeitige Situation nach einer kurzfristigen Priorisierung des Inklusionsbereiches, mithilfe neuer wirtschaftlicher Dynamik. Nur wenn ein breit gestreutes und massives Investitionsprogramm neue Arbeitsplätze, verbesserte soziale Absicherung und positive Umwelteffekte schaffen kann und die langjährige Stagnation der Einkommen in wachsenden Wohlstand dreht, werden die BürgerInnen die EU für unterstützenswert halten. Wurde die EU lange Jahre (zu Recht) als „Friedensunion“ gefeiert, so muss sie in Zukunft als „nachhaltige Wohlstandsunion“ gestaltet werden. Die am letzten Gipfel selbst-beweihräuchernde Bewertung der Juncker-Investitionsinitiative (EFSI) ist nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Sie muss deutlich verstärkt werden, und vor allem in umweltverbessernde und soziale Infrastruktur (Ausbildung, F&E, Gesundheitsvorsorge, soziale Absicherung) gelenkt werden. Viel wichtiger aber ist es, die falsche Fokussierung der EU-Wirtschaftspolitik auf Budgetkonsolidierung aufzuheben und in den EU-Mitgliedsländern öffentlichen Investitionen den ihnen zukommenden viel größeren Platz („fiscal space“) zuzuordnen als Stimulator von darauf folgenden Privatinvestitionen. Die falsche Ideologie der EU-Behörden und meisten EU-Länder, dass Wirtschaftswachstum auch in Krisenzeiten durch „gesunde öffentliche Finanzen“, sprich Budgetkonsolidierung, gemeinsam mit „Strukturreformen“, sprich Verbesserung der Angebotsbedingungen zu erzeugen ist, hat sich als vollkommen irreführend erwiesen – wie die extrem hohen Arbeitslosenraten und das anämische Wirtschaftswachstum der meisten EU-Länder zeigen. Die BREXIT-Krise verstärkt die Notwendigkeit einer raschen Stimulierung der Investitionstätigkeit zur Schaffung von Arbeitsplätzen und Bekämpfung des Klimawandels weiter. (Die neue britische Premierministerin May hat diese Botschaft der Brexit-Befürworter offenbar verstanden und verspricht eine Wirtschaftspolitik für alle, nicht nur für die Privilegierten. Sie hat bereits ein „sozialdemokratisches“ Programm, Schaffung von Arbeit, Mitbestimmung in den Unternehmungen, Umverteilung durch Steuerpolitik, Verbot exzessiver Managergehälter, etc. vorgeschlagen. Schauen wir, was davon sie umsetzen wird!).

Konkret bedeutet dies auf EU-Ebene, den Stabilitäts- und Wachstumspakt in all seinen Manifestationen zu lockern, bzw. zugunsten einer sinnvollen wirtschaftspolitischen Orientierung, die Beschäftigung, soziale Absicherung, Umweltverbesserung – mit einem Wort „gutes Leben“ für alle anstrebt, abzulösen.

Der zweite große Bereich, der raschest angegangen werden muss, ist das viel beschworene „demokratische Defizit“ der EU-Verfahren. Dabei geht es einerseits um eine rasche Vereinfachung der äußerst komplizierten Verfahren, sodass sie für die BürgerInnen verständlich und damit auch kontrollierbar werden. Es ist den EU-BürgerInnen zB nicht zu erklären, warum im Juni 2015 ein „Bericht der 5 Präsidenten zur Vollendung der Wirtschafts- und Währungsunion“ verfasst wurde. Warum 5 Präsidenten? Was sind deren spezifische Aufgaben, warum reichen nicht zwei? Und damit spreche ich nicht einmal die der oben kritisierten Ausrichtung der Wirtschaftspolitik folgenden Inhalte an. Oder: warum befasst sich die EU mit Glühbirnen, Olivenölkännchen, Gurkenkrümmungen, etc. anstatt die wirklich großen Fragen zu lösen, die einzelstaatlich nicht lösbar sind.

Andererseits aber geht es um einen massiven Ausbau der Bürgerbeteiligung, und zwar vor allem bei der Vorbereitung von Gesetzesinitiativen, nicht unbedingt bei Entscheidungen (Auch hier hat das Brexit-Referendum die Gefährlichkeit von bindenden Referenden für existenzielle Fragen aufgezeigt, die leicht von populistischen Kräften gekapert werden können). Es gibt die Tausenden Unternehmens-Lobbyisten in Brüssel, die die Interessen der Unternehmen effektiv artikulieren. Diesen steht nur eine Handvoll Konsumentenschützer und Arbeitsrechtler gegenüber. Die direkten Interessen der BürgerInnen sind kaum direkt vertreten. Es hilft keineswegs, wenn bei Anliegen wie dem Transatlantischen Handels- und Investitionsabkommen (TTIP) Millionen von Unterschriften für ein Volksbegehren einfach mit formal-juridischen Argumenten abgeschmettert werden. Es hilft nicht, wenn den Banken Hunderte Milliarden Hilfen gegeben werden, für die Bekämpfung der Jugendarbeitslosigkeit hingegen nur sechs Milliarden! Nimmt es da Wunder, wenn die BürgerInnen nicht ihre ureigenen Interessen durch die EU vertreten sehen? Die viel stärkere Einbeziehung der BürgerInnen muss natürlich auch in den Nationalstaaten viel besser praktiziert werden.

Der BREXIT-Weckruf ist eine letzte Chance, den EU-Gegnern und Skeptikern Wind aus den Segeln zu nehmen. Nur Business as Usual, dh eine Beschleunigung der bestehenden Agenda, reicht dazu nicht. Es müssen sofort sowohl die Inhalte der EU-Politik, wie auch die Verfahren massiv geändert werden. Die Interessen der EU-BürgerInnnen müssen in den Vordergrund, die althergebrachten („neo-liberalen“) Rezepte der Wirtschaftspolitik aufgegeben und durch eine pragmatische, direkt den Bevölkerungen zugute kommenden Politiken abgelöst werden. Dabei müssen die BürgerInnen viel stärker als bisher in die Entscheidungsvorbereitungen eingebunden werden. Die WWWfE-Strategie zeigt einen Weg auf: dieser ist nach der BREXIT-Vorentscheidung aktueller denn je. Er muss forciert von den Staats- und Regierungschefs und den EU-Behörden gegangen werden. Ansonsten ist unser hehres Gut, die Europäische Union, ein 50-Jahre Aufflackern einer grandiosen Idee gewesen. Die Präsidenten der EU, sowie die Staats- und Regierungschefs müssen noch vor der „Sommerpause“ einen offenen Konvent mit Bürgerbeteiligung abhalten, um ihre Entschlossenheit zum Wandel, zur Richtungsänderung in Inhalt und Verfahren zu zeigen.

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The BREXIT Clarion Call: Do EU Grandees Understand It?

The BREXIT referendum results have not only surprised the Brexiters, but have caused a shock to all of Europe. The events in Britain since then, the partial abandonment of their demands by leading advocates of Brexit, their fear of having to lead extremely difficult separation negotiations, their attempts to gain time and lead pre-negotiations before activating Art. 50 TEU, their lack of a plan for Britain after Brexit, their unrealistic wishes to Santa Claus (maintaining full access to the Single Market for British enterprises while restricting EU citizens‘ immigration), the inner-party battles in both the Tory and Labour Parties about their future leadership and direction – all these we can leave to Britain. For the EU, this Britain-instigated chaos will lead to a vast distraction from the already existing problems of the EU (unemployment, Russia, Mid-East, Eurozone, migration), requiring vast human resources and attention. As an Austrian saying goes: The EU needs the Brexit referendum result like a goiter, meaning: We have a lot of other, more important problems to deal with. Britain has shot itself plus the EU through both knees. Cameron badly misjudged his inner-party strength, giving in to his desire to calm the EU-sceptical members of his party, the leaking of his voters towards the irresponsible xenophobic UKIP. In the end, Cameron may go down in history as the person who has led Britain out of the EU, and Scotland and possibly Northern Ireland out of the United Kingdom: David, alone at home! In the end, his (and his predecessors‘) continuing railing against the EU have made his last-minute attempt during the Brexit campaign to promote „Remain“ not credible.

If it were only a British problem, it would be bad enough. But we have seen the whole of the world economy reacting badly: East Asia, the US, all of Europe are affected. The up-to-now unsuccessful attempt of the EU to escape from the 2008 crisis (in 2016 the EU barely reached the GDP of 2007 – 8 years of stagnation, unemployment is exorbitant, investment stalled), has received another negative jolt which might result in another recession. One has to realize that the Brexit vote is the first real significant reversal in the 60-year old history of the EU (in spite of a number of earlier setbacks), giving succour to EU’s foes, the LePens, Wilders, Straches and their companions, as they celebrated in their recent infamous „Vienna Spring“ meeting.

EU authorities show deep concern. At their summit meeting of June 28 they expressed their concern and demanded from prime minister Cameron (who had already announced his resignation) a clear and early exit announcement, and promised him constructive negotiations. As a sign of their concern, they announced to speed up a number of agenda items on their to-do list: migration, digital agenda, energy union, banking union, plus investment initiatives. In addition, a political dialogue is to be held in Bratislava (Slovakia holds the rotating EU Presidency from July 1, 2016) in September.

All this is not enough to turn the wide-spread EU-scepticism of the EU population around. While the above initiatives may be necessary to promote further integration of the economies of the 27 remaining members , they do not address the worries and demands of the populations! These initiatives are, more or less, „business as usual“, difficult as they may be to achieve. The Brexit vote must be used to deliver a forceful signal, that the EU authorities understand citizens‘ concerns that globalization, that EU economic policy has helped enterprises, but not (enough) citizens. People have lost jobs, remaining jobs are badly paid, international competition has changed working and salary conditions and lead to exorbitant youth unemployment and grotesquely widening income gaps. Citizens do not understand that hundreds of billions of Euros have been channelled into banks (more after the Brexit vote), but that government-led investment programs are severely curtailed by the single-minded direction of EU economic policy towards budget consolidation and that EU funds to combat unemployment are in the single-digit billion Euros.

A recent, EU-financed research program, led by the Austrian Institute of Economic Research, „Welfare, Wealth and Work for Europe“ (WWWfE) proposes a joint EU strategy, combining economic dynamics, social inclusion and environmental sustainability, instead of the fragmented approaches approved by the EU, which frequently contradict each other, have different implementation and reporting mechanisms – and have been ineffective so far. While in the medium term all three elements, economic, social, environmental need to be pursued jointly and equally, in the short run, and especially right now, after the Brexit vote, the citizen-centered, social inclusion phase must take precedence, but in a way that investments into job-creating, environment-friendly and economy dynamics-enhancing sectors do not contravene the other areas. Lack of investment is the starting point: private sector firms do not invest because of lack of demand, because of uncertainty about the future direction of the EU, because of the uncertainty-enhancing effects of the Brexit vote, and, not at all least, because of the restrictions of the EU Stability and Growth Pact in all ist manifestations (debt brake, European Semester, Sixpack, Twopack, etc.). The EU needs to show fast and vigorously to its citizens that it understands the underlying cause of the Brexit vote. This underlying cause, the lack of protection from globalization, the uncertainty introduced into citizens lives by the falling-away of borders, which not only enhances free travel of goods, but also of persons, of drugs, of crime, has permeated all of Europe. The citizens blame mainly the „EU“ for this lack of protection, to some extent also their own national „elites“ (who are also part of the EU authorities).

The old (very convincing to my generation) slogan of the EU as a „Union of Peace“ does not inspire the younger generations: they take peace in Europe for granted. A new, convincing direction must be developed to establish te EU in citizens‘ minds as a „Union of Sustainable Well-Being“, not just as a slogan, but as a daily reality felt by the people. To achieve this, the shackles of the Stability and Growth Pact must (temporarily) be relaxed, a large EU-led investment program towards social and environmental well-being, going far beyond the puny Juncker investment initiative (EFSI) be implemented by the member states which lays the foundations for a better life for all, for low unemployment rates, for decent salaries, for involving the young people into the future of the European Union. EU authorities must realize that their previous strategy to „generate growth via budget consolidation cum structural change“ has failed. There is nothing wrong with these objective, but they do not generate the necessary demand, if the private sector hesitates. Thus, government and EU-led investment initiatives must for a time supplement demand and in this way stimulate private investment down the road.

In addition to a change in economic policy as outlined above, the EU must quickly address the problems of their procedures. EU procedures are extremely cumbersome, the 40.000 legal acts contained in the Acquis Communautaire (the compendium of EU laws and regulations) contains dozens of thousands of pages. Citizens are puzzled e.b. by the „Report of the 5 Presidents to Complete the Economic and Monetary Union“ issued in June 2015: why 5 presidents? What do they do? would not 2 suffice? Or why does the EU concern itself with lightbulbs, tractor seat specifications or the curvature of cucumbers? Why not „just“ with large items beyond the regulatory reach of the member states? Concentration and simplification are the relevant buzzwords.

And then there is the frequently decried „democracy deficit“ of the EU. EU citizens must be much more involved in the preparation of legislative acts (not necessarily in decision-making). Citizens do not understand why thousands of lobbyists promote the interests of enterprises, but very few deal with labor rights and consumer concerns, let along the environment. Citizens are frustrated when one of the recent concerns, supported by a million persons, the Transatlantic Trade and Investment Partnership agreement between the EU and the US was denied (on formal competency grounds) an EU Referendum. Thus, citizens participation is an absolute must – not least also in the EU member states.

The Brexit clarion call is arguably the last chance to heed the concerns of EU citizens and to fight the populist clamor for destroying the EU (see Nigel Farage’s brazen speech at the EU Parliament after the Brexit vote). EU authorities must quickly show to their citizens that in the future the EU will be a „citizens‘ union“, not predominantly an „enterprise union“. Business as usual, as proposed by the recent EU Summit, i.e. speeding up the existing agenda, will not be enough. EU authorities need to understand that they have to change the direction of EU economic policy, as well as simplify and democratize the procedures by which decisions are reached. To wait for September might be too late. In the meantime, EU authorities (and this includes the heads of state of the member states) must give clear signals that they have understood the message of the Brexit vote and that they are willing to learn their lesson. Otherwise, the last 50 years will have been an (all too brief) period where the will to face the difficult future of Europe by measured steps of integration, by rational argument and a sense of solidarity were eclipsed by European „little Englanders“. This would be a drama.

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Europäische BREXIT-Auswirkungen

Anbei ein Link über ein Hintergrundgespräch zu einigen  BREXIT-Auswirkungen auf Europa, aufgenommen für PULS4 am 24.6.2016, wird gesendet am 26.6.2016 nach den Nachrichten; http://www.puls4.com/video/puls-4-news/play/3081063

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