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Inequality will stalk society until stock markets are curbed

(published by the Financial Times on 24.06.2021)

The „pre-distributionists“ (Rana Foroohar: People‘s capital is an idea whose time has come, FT 21.6.21) are thinking in the right direction, but far too timidly. They, and Rana, are right to state that taxing the rich by itself will not really right the maldistribution of income and wealth. Any conceivable tax rate will only make a tiny dent in their unequal distribution, unless wealth is expropriated by the state and incomes are strictly regulated. Then you have what we could call state socialism.

But the pre-distributionists‘ proposal for citizens‘ participation in the proceeds from capital markets, financed either by a share of excess taxes (how many times, how many states will have surplus taxes?), by contributions from philanthropists or by a small government share in start-ups (why does Foroohar quote the value of all California publicly traded companies as base for these shareholdings, instead of the much, much smaller value of start-ups?) is based on maintaining the absurd growth rates of stocks relative to GDP – t h e culprit of the wealth gap – to let some crumbs fall on the plates of citizens. Instead of reigning in the absurdity of financial markets we should strengthen them, and give them even more „democratic legitimacy“ by letting citizens participate?

Why not extend Biden‘s plans for free tertiary education to everybody, why not attempt to install a universal health and a pension system which includes also gig workers, self-employed and precarious workers? In Europe socially-minded Christian (i.e. conservative) parties, also Social Democrats, have for a long time promoted „citizen capitalism“, i.e. having workers own shares in the companies in which they work. This idea would also imply – as workers‘ participation („co-determination“) does in Germany and Austria – that workers have representation at the company‘s board, thus enabling them to enhance stakeholder capitalism. Scandinavian countries have dabbled with more extensive ideas, most famously the Norwegian Wealth Fund which owns shares in nearly all listed companies and makes its influence felt by putting pressure on climate-related activities of its portfolio. Part of the fund‘s proceeds are used for social purposes.

It is true: re-distribution through the tax system does not achieve a fair distribution of wealth and incomes. But the proposed pre-distribution scheme will not succeed either, because it would „feed the beast“, i.e. financial markets, which causes this extreme maldistribution. We have to go further and attack not the symptoms, but the root cause.

Postscript: the recently published Global Wesath Report by Credit Suisse confirms the above analysis. Accordingly, lst year the number of Dollar millionaires grew by more than 5 million to a total of 56.1 million. Total net wealth in 2020 increased by 28.7 trillion $ to 418.3 trillion $ (total world GDP in 2020 amounted to 84.5 trillion $, 5% down from the previous year). The report states unequivocally, that the reason for the increse in wealth is the increase in the prices of financial assets, fuelled by the activities of the Central Banks. Since finanical assets are mainly held by richer households, income and wealth inequality, as measures by the Gini Index, has increased again.

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Weibliche Ermächtigung wozu?

(Buchbesprechung, die Seitenzahlen beziehen sich auf die englische Version)

Feminismus, nicht Kapitalismus

In ihrem neuen Buch “The Double X Economy. The epic potential of empowering women” (Faber&Faber, London 2020) analysiert die renommierte, vielfach in internationale Bemühungen zur Frauen-Gleichstellung einbezogene britisch-amerikanische Oxford Professorin Linda Scott ökonomische Benachteiligungen von Frauen durch männliche Dominanz über die Zeit und über den Globus in leicht lesbarer Form. Ihre These: es ist nicht ein bestimmtes Wirtschaftssystem, zB der Kapitalismus, und es ist auch nicht ein bestimmtes Zeitalter, in welchem Frauen vom Arbeitsmarkt ferngehalten, ins Haus verbannt, vom Erbrecht und Grundbesitz ausgeschlossen, sexuell und wirtschaftlich ausgebeutet und von grundlegend aggressiven Männern unterworfen sind, sondern dies ist seit Menschengedenken und überall so. Natürlich differenziert Scott auch, aber das Grundmuster bleibt. Das Patriarchat ist allgegenwärtig. Die “grundsätzlich gewalttätigen” Männer haben sich die Ressourcen unter den Nagel gerissen. Dadurch seien sie grösser und stärker als die schlechter ernährten Frauen geworden, wodurch sie wieder die Frauen unterdrücken konnten. Das sei aber nicht in der Evolution so deterministisch angelegt, denn bei unseren Vorfahren, den Bonobos, gäbe es inklusive, die gesamte Bande gleichwertig einbeziehende Familienbeziehungen, während es beim zweiten Zweig unserer Vorfahren, den Schimpansen, das dominierende Alpha-Männchen gibt, das alle Rivalen um Reproduktion ausbootet, sich von den Weibchen hofieren lässt und sich einen Deut um den Nachwuchs schere, ja sie sogar, wenn sie nicht von den Müttern geschützt würden, töte und manchmal auch verspeise. Den Unterschied im Verhalten zwischen diesen beiden Vorfahrenfamilien erklärt Scott mit der Eindeutigkeit der Vaterschaft der Jungen bei den Schimpansen, während bei den Bonobos die Weibchen Sex mit mehreren Männchen hätten, sodass “pater semper incertus” sei, was sich auf das positive Familienverhalten der Männchen und der anderen Weibchen auswirke. Bei Friedrich Engels „Vom Ursprung der Familie“ klingt dies überzeugender.

Was ist die Double X Economy?

Was Scott mit ihrer “Double X Economy” wirklich meint, bleibt rätselhaft: ist es die Beschreibung der Wirtschaft, wie sie ist – also inklusive der weiblichen Diskriminierung – oder ist es, wie der Untertitel suggeriert, das ungehobene Potenzial, welches Gleichberechtigung im Wirtschaftlichen ermöglichen würde. Im Titel der deutschen Übersetzung, die eben im Hanser Verlag erschienen ist, (“Das weibliche Kapital”) wird eher auf letzteres verwiesen. Auf ersteres scheint Scott jedoch anzuspielen, wenn sie meint, dass ohne Frauen am Arbeitsmarkt die US-Wirtschaft um 40% kleiner wäre (p.132). Unglaubwürdig erscheint ihr Zitat einer internationalen Studie (p. 283), dass bei voller Teilnahme von Frauen am Welthandel das globale GDP um 140 Billionen $ (!!!) grösser wäre, das heisst weit mehr als doppelt so gross als das derzeitige (2019 war das Welt/GDP laut IMF 87 Billionen $).

Diskriminierung jederzeit und überall

Scotts Buch ist absolut lesenswert, da es eine breite tour d’horizon über Frauendiskriminierung über Zeit und Raum bringt und sich offenbar auf eine riesige Literatur stützt. Diese ist allerdings nicht wissenschaftlich genau zitiert, sondern in einem Mischmasch von erklärenden und Zitierungsfussnoten versteckt. Eindrucksvoll sind ihre (manchmal zu oft wiederholten) Fallbeispiele, zB über kenianische Mädchen (Scotts Lieblingsbeispiel), die bei Eintritt der ersten Menstruation die Schule verlassen, da sie keine geeigneten Sanitärprodukte hätten, um die Blutung  zu verbergen. Gleichzeitig werden sie dadurch sexuell verfügbares Freiwild für die Männer, die sie oft vergewaltigen. Die Gratisverteilung von Binden hätte dies behoben. Oder die weltweit verbreitete Praxis des Brautpreises, bzw. den gegenteiligen Tauschvorgang der “Ausstattung”, die beide dazu führten, dass die Braut bei der Heirat der Heimatfamilie verlustig geht und jener des Mannes als Quasifremde ausgeliefert sei, vor allem aber von diesem wirtschaftlich und sozial vollkommen abhängig werde. Dadurch würden junge Frauen zur Ware, mit der ihre Väter handelten. Oder eine Studie zu Business School Professorinnen in den USA, welche schlechter bezahlt, oft in “weiche” Fächer (human resources) abgeschoben und damit auch von lukrativen Nebengeschäften ferngehalten wurden. Oder die Mechanismen, mit denen Mädchen und Frauen vom Finanzsystem einerseits ausgebeutet würden (weniger Kredite, oft höhere Zinsen), aber auch nicht als Finanzakteure zugelassen würden.

Frauen als bessere Männer?

Mein Hauptproblem mit diesem Buch ist nicht die beeindruckende Fülle der Einzelheiten und Fallstudien zu Diskriminierung, auch nicht der oft naive Zugang zu Veränderungen, die Scott vorschlägt, sondern das Ziel. Es scheint, als ob Scott aus Frauen Männer machen wollte, unbeachtlich der Art der Ökonomie, die Männerdominanz heute mit sich gebracht hat. Sie scheint zu meinen, dass wenn Frauen gleich viel ökonomische Macht hätten wie Männer, dass es dann keinen Klimawandel, keine Unmweltzerstörung, keine Armut, keine soziale Ausgrenzung geben würde. Zumindest scheinen diese Verwerfungen, mit Ausnahme der Armut, die ihrer Sicht nach am besten durch Frauenpower bekämpft würde, sie nicht zu interessieren. Konkret attackiert sie die gegen den Neoliberalismus, bzw. Kapitalismus argumentierenden Frauen auf einer WTO Konferenz 2017 in Bünos Aires, die einer „Declaration on Trade and Women Empowerment“ nicht zustimmen wollten, da sie meinten, es gälte eher, die Folgen des so genannten Freihandels auf Entwicklungsländer und die Armen der Welt aufzuzeigen als die Unterdrückung armer Bäuerinnen durch arme Bauern. Diese dissidenten Frauenorganisationen argumentierten – meiner Meinung nach zurecht – dass “sie es satt haben, dass das Ziel der Gleichberechtigung der Frauen als zynisches Scheinargument zur Festigung des neoliberalen Welthandelssystems” herangezogen wird (p.285/6). Scott sieht dies gegenteilig, Frauenermächtigung geht ihr vor, auch innerhalb des bestehenden Systems.

Unbefriedigende Forderungen

Am Ende schlägt Scott drei Arten von Forderungen vor, eine für die USA, eine für Global Governance, die Lenkung der Weltwirtschaft und eine für Individuen. Jene für die USA enthalten das Verbot von Arbeitsvereinbarungen, welche bei Konflikten zwingend Schlichtung durch vom Arbeitgeber genannte Institutionen erfordern (dies scheint die übliche Vereinbarung in den USA zu sein, im Gegensatz von paritätisch besetzten Arbeitsgerichten in Europa); den Erlass aller Studienkredite (ein riesiges Problem in den USA, vor allem für Frauen, die aufgrund niedrigerer Gehälter viel länger mit Rückzahlungen belastet sind; Bernie Sanders hatte dies in seinem Wahlkampf gefordert); flächendeckende gratis Kleinkinderbetreuung (in den USA gibt es fast keine öffentlichen Kinderbetreuungsstätten, allerdings ermöglicht die Ganztagsschule die in Europa zusätzlich zu organisierende Nachmittagsbetreuung von Schulkindern); Verlagerung der Entscheidung über ungerechte Bezahlung von den Gerichten zur Exekutive (dies ist sehr aktuell, da die flächendeckende Besetzung von Bundesrichtern durch die Regierung Trump zu meist erzkonservativen, oft frauenfeindlichen Ernennungen führte); gleichberechtigte Teilnahme von Frauen an staatlich finanzierten Infrastruktur-Projekten, wie zB dem Green Deal (hier geht es primär um Arbeitsplätze); und neue Schutzmassnahmen für Hausfrauen und Mütter (über Alimenteregelungen hinaus). Die ist sehr amerikanisch und auf Europa nur sehr eingeschränkt anwendbar.

Auf der Weltebene beklagt Scott zu Recht die Verbannung von frauenspezifischen Themen bei den meisten Jahrestagungen der weltweiten Organisationen in spezifische Frauenkonferenzen, Nebenschauplätze, welche abseits der von Männern dominierten Hauptkonferenz stattfinden. Sie sieht Lichtblicke jedoch durch die Ernennung von Ch. Lagarde zur IMF-Chefin (jetzt Europäische Zentralbank), und würde sicher die aktuellen Ernennungen von Frauen zur Weltbankpräsidentin, zur Präsidentin der EBRD und zur WTO-Chefin begrüssen. Dies sind wichtige Schritte, ändern jedoch noch zu wenig an den Zusammensetzungen der meisten Gremien, die eindeutig von Männern dominiert werden.

Auf der individüllen Ebene plädiert Scott für “geschlechtsbewusste” Anlageprodukte, in die Frauen investieren könnten, für bedachten Konsum (fair trade), für gleichberechtigte Teilnahme am Arbeitsmarkt, für Frauenspezifische Nicht/Regierungsorganisationen und die allgemeine Hebung des Bewusstseins für geschlechtsspezifische Anliegen, sowie für bewusste Sprache.

Diese Vorschläge sind insgesamt enttäuschend. Nach dem Anspruch in weiten Teilen des Buches, der untedrückten “Frauenökonomie” zu ihrem Recht zu verhelfen, hätte ich mir stärker transformatorische Ideen erwartet. So bleibt der schale Geschmack “Frauen sollten werden wie Männer” übrig. Dennoch: für die Fülle der Fallstudien ist das Buch lesenswert, wenn es auch nicht viel Neues bringt.

Offenlegung

Offenlegung: Ich bin mir natürlich bewusst, dass ich als Mann einen “falschen” Blickwinkel auf dieses Buch haben kann. Die eben ausgebrochene Debatte, welche Identität ein Übersetzer haben muss, um “wahrhaftig” übersetzen zu können („kann ein weißer Mann das Gedicht einer schwarzen Frau „richtig“ übersetzen?) – ich halte sie für vollkommen fehlgeleitet –  geht in diese Richtung. Daher sollte jede und jeder, die/der diese Besprechung liest, im Auge haben, dass dies von einem Mann verfasst ist.


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EU-Recovery Plan: Nachzuegler Oesterreich

 

(am 16.3.2021 als Gastkommentar in der Winer Zeitung publiziert)

Es geht immerhin um mehr als 3 Milliarden Euro, die es in Brüssel abzuholen gilt.

Zum zweiten Mal hat der zuständige EU-Kommissar Valdis Dombrovskis Mitte März Österreich und sechs andere Länder (Irland, Lettland, Luxemburg, Malta, Estland und Niederlande) aufgefordert, möglichst rasch ihre nationalen Aufbaupläne zur Bewertung und möglichen Verbesserung vorzulegen, um ihren Anteil am 750 Milliarden Euro schweren Wiederaufbaufonds der EU-Kommission zu lukrieren. Verbindliches Enddatum für die Vorlage ist zwar erst Ende April, aber je früher vorgelegt (und gegebenenfalls nachgebessert) wird, desto eher kann ab Herbst Geld fließen.

Kurt Bayer ist Ökonom. Er war Board Director in Weltbank (Washington) und EBRD (London) sowie Gruppenleiter im Finanzministerium. Er berät die globalisierungskritische NGO Attac und bloggt unter https://kurtbayer.wordpress.com. - © apa / Edith Grünwald
Kurt Bayer ist Ökonom. Er war Board Director in Weltbank (Washington) und EBRD (London) sowie Gruppenleiter im Finanzministerium. Er berät die globalisierungskritische NGO Attac und bloggt unter https://kurtbayer.wordpress.com. – © apa / Edith Grünwald

Für Österreich geht es immerhin um mehr als 3 Milliarden Euro, angesichts des hohen Budgetdefizits kein Pappenstiel. Die Öffentlichkeit in Österreich hat bisher nichts von den Vorbereitungen gehört, außer dass Verkehrsministerin Leonore Gewessler am 12. März im ORF-“Mittagsjournal” die Einigung der Bundesregierung verkündet hat, ohne Details zu nennen. Information der Öffentlichkeit? Schmecks! Einbindung der Öffentlichkeit wie gefordert? Schmecks!

Das EU-Geld ist überwiegend für Covid-Maßnahmen, grüne Investitionen und Digitalisierung reserviert, es gibt ganz klare Vorgaben bezüglich der Einbindung der regionalen Ebenen, der Sozialpartner und der Zivilgesellschaft. Und es reicht nicht, dies zu behaupten, sondern im Plan ist nachzuweisen, dass diese Stakeholder nicht nur konsultiert wurden, sondern auch dazu beigetragen haben. Man kann sich also nicht mit einer einmaligen Konsultationsrunde zufriedengeben, sondern diese anderen Ebenen und ihre Beiträge müssen sich nachweislich im vorgelegten Plan wiederfinden, sie müssen mitbestimmen. Gleichzeitig müssen die Beiträge der vorgeschlagenen Projekte zur Verringerung regionaler und sozialer Ungleichheiten argumentiert werden.https://bbfb7d2da54f2910688a3f6a28957456.safeframe.googlesyndication.com/safeframe/1-0-37/html/container.htmlWerbung

Nimmt man all dies ernst (was die EU-Kommission beim portugiesischen Plan bereits beweist), dann brennt in Österreich der Hut. Die Sozialpartner wurden bisher nicht (öffentlich sichtbar) konsultiert, es ist unbekannt, welche NGOs außerhalb der Sozialpartner in den Planungsprozess einbezogen werden. Wie will man dann bis spätestens Ende April einen akkordierten Plan mit konkreten Projekten aufstellen? Oder will Österreich, um mit seiner Haltung als einer der “Geizigen Vier”, die sich gegen die Höhe des EU-Plans gewehrt haben, konsistent bleiben und auf dieses Geld verzichten? Hoffentlich nicht.

Der Kanzler brüstet sich immer wieder mit Österreichs angeblichen Vorreiterrollen in der Pandemiebekämpfung. Davon spürt die Bevölkerung aber nichts: Wir haben eine der relativ höchsten und steigenden Infektionsraten und fast den stärksten Wirtschaftseinbruch in der EU. Wir brauchen dringend einen transparenten, inklusiven Wiederaufbauplan, einerseits um das uns zustehende Geld in Brüssel abzuholen, aber auch um Wirtschaft und Gesellschaft darüber hinaus auf die Herausforderungen der Zukunft vorzubereiten. Es wäre so schön gewesen, hätte die Regierung den EU-Recovery-Plan zum Anlass genommen, diese Initialzündung zur Erarbeitung einer österreichischen Strategie für die Zeit mit und nach Corona einzusetzen.

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Schock, Spektakel und keine tiefere Bedeutung: das Impeachment Verfahren gegen Trump

Für einen politischen Beobachter aus Österreich war es ein Spektakel mit taktischen und inhaltlichen Show-Elementen. Auf der einen Seite die sieben, exzellent vorbereiteten und im Stil der erfahrenen US-Ankläger agierenden „House Manager“, also der vom Repräsentantenhaus als Ankläger eingesetzten Abgeordneten, dort die letzte Riege an Anwälten, die Trump als seine Verteidiger aufbringen konnten, die keine Ahnung hatten. Hier jene, die Impeachment als in der Verfassung vorgesehenes politisches Verfahren aufgrund von potenziell auch das Strafrecht schwerstens verletzenden gravierenden Taten („high crimes and misdemeanors“) verstanden, dort letztklassige Strafverteidiger, die sich im Gerichtssaal und nicht im Senat wähnten. Hier jene, die minutiös eine durch Videos und Tweets aufgebaute Argumentationskette, dass Präsident Trump seit Monaten die Menge mit Lügen („gestohlene Wahl“) und apokalyptischen (W)Ahnungen („they take away your country“) bis zum Sturm aufs Kapitol mit Morddrohungen gegen evakuierte Abgeordnete und seinen Vize („hang Pence“) aufgestachelt hat, dort hilflos semantische Übungen versuchende (lange Abhandlungen über das Wort „find“) Verteidiger, deren Hauptargument jedoch war, dass es sich bei Trumps Hetzen um von der Verfassung garantierte freie Meinungsäußerungen gehandelt hätte und dass das Impeachment Verfahren sowieso ungültig wäre, da der Präsident nicht mehr im Amt sei, also nicht mehr abgesetzt werden könne.

Es kam wie vorhersehbar: nach vier Tagen wurde Trump mit 57 zu 43 Stimmen freigesprochen. Für eine Verurteilung hätte es eine 2/3-Mehrheit, also 67 zu 33 ausgehen müssen.

Den Vogel des Opportunismus und der Perfidie in (und nach) diesem Verfahren hat jedoch Mitch McConnell, der jetzige Minderheitsführer im von Demokraten dominierten Senat abgeschossen. Nach der Abstimmung hatte er die Gelegenheit, sich zu äußern – und – zum Erstaunen der meisten Zuhörer und -seher, ließ er eine Anklage-Suada gegen Trump vom Stapel, die fast Wort für Wort jener der Demokraten-Ankläger folgte: Trump hätte in vollkommen unverantwortlicher Weise monatelang seine Anhänger aufgehetzt und in seiner Rede vor dem Weißen Haus am 6.1.2021 nochmals betont, dass er die Wahl gewonnen hätte, dass er mit seinen von ihm eingeladenen, teils schwer bewaffneten, Anhängern zum Kapitol, wo die letzte Stimmenauszählung passierte, marschieren würde und dort „unser Land zurückgewinnen“ würde: sie würden „fight like hell“. Und, so McConnell weiter, Trump sei nicht mitmarschiert, habe aber während des ganzen Nachmittags vor dem Fernseher gesessen und keinen Finger gerührt, um den Sturm zu beenden, um den evakuierten Vizepräsidenten samt Familie und die Kongreßabgeordneten, sowie die vollkommen überforderte Kapitol-Polizei vor dem wütenden, von ihm vorher aufgehetzten Mob zu schützen. Mit einem Wort, die Anklage des Repräsentantenhauses sei vollkommen richtig. Aber: er habe gegen die Anklage gestimmt, weil Trump nicht mehr im Amt sei, und weil ja die Strafgerichte später über Trump als Privatmann urteilen könnten. Wie opportunistisch, wie unverantwortlich, wie schleimig geht es noch? Und noch ärger: es war McConnell selbst, der im Jänner als Mehrheitsführer im Senat, als die Demokraten ihn beschworen, eine Sondersitzung des Senats zum Impeachment einzuberufen als Trump noch im Amt war, sich geweigert hatte, und dies erst geschehen konnte, als die Demokraten aufgrund der Wahlergebnisse die Mehrheit im Senat erreicht hatten. Also: zuerst verhindert er ein ihm inhaltlich offenbar plausibles Verfahren und stimmt dann gegen die Verurteilung mit dem „Argument“, der Präsident sei nicht mehr im Amt.

Hauptanliegen der Demokraten und der sieben Aufrechten Republikaner war es einerseits, der US Bevölkerung (und der Welt) zu zeigen, dass Trumps fortwährende Hetze, er könne die Wahl nur verlieren, wenn betrogen würde und dann einen Sturm auf das Herz der US-Demokratie mit ihm bekannt gewaltbereiten Rechtsextremen zu organisieren, gegen den Amtseid, die Republik zu schützen, massiv verstoße, und andererseits, durch eine der Verurteilung nachfolgende Regelung (dann mit einfacher Mehrheit) Trump auf Dauer von jedem weiteren Amt auszuschließen. Dies ist nicht gelungen. Die feigen Republikaner unter ihrem ebenso feigen Anführer McConnell, von denen viele offenbar wie McConnell Trumps Vorgangsweise verurteilen, haben sich mit dem windigen Argument, aus Machterhalt und Angst vor Trump, seinem Geld und seinen rechtsextremen Anhängern („we will ‚primary‘ you“, d.h. in den nächsten Vorwahlen abwählen), Anklage gegen einen nicht im Amt Befindlichen sei unzulässig, selbst und ihr Amt herabgewürdigt. Ein Trauerspiel!

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Ohne Worte/ Speechless!

Wenn der angefügte Artikel aus dem Observer vom 20.12.2020 niemand von der Notwendigkeit, unser Wirtschaftssystem grundlegend zu verändern, überzeugt, wenn die abscheuliche Weigerung der österreichischen Bundesregierung, Flüchtlingskinder aus den Lagern in Lesbos und anderen griechischen Inseln aufzunehmen, nicht zu massiven Protesten führt, dann ist uns allen nicht mehr zu helfen. Die “würdevollen Weihnachten” des österreichischen Bundeskanzlers sind entlarvt als hohle Ablenkung von der humanitär-moralischen Misere; die Akzeptanz der Wirtschaftspolitiker der Welt eines “Systems”, welches solche Ungleichheiten hervorbringt, ist entlarvt als Komplizentum einer Ausbeutung der Weltbevölkerung. Die Sonntagsreden zur “sozialen, ökologischen und wirtschaftlichen Nachhaltigkeit” sind wohlfeile Placebos.

Ten billionaires reap $400bn boost to wealth during pandemic

Covid-19 pushed many into poverty but brought huge benefits for some of the wealthiest, renewing calls for fairer taxes

Jeff Bezos, founder and chief executive of Amazon has seen his wealth increase from $70bn to $185bn.

Jeff Bezos, founder and chief executive of Amazon has seen his wealth increase from $70bn to $185bn. Photograph: Pablo Martínez Monsiváis/AP

Rupert Neate

Rupert Neate Wealth correspondent@RupertNeateSat 19 Dec 2020 16.00 GMT

  • Ten of the richest people in the world have boosted their already vast wealth by more than $400bn (£296bn) since the coronavirus pandemic began as their businesses were boosted by lockdowns and financial crises across the globe.

The extra wealth accumulated by the 10 men – approximately $450bn, using Forbes figures – over the past nine months is more than the £284bn the British government is estimated to have spent on tackling the pandemic and the economic damage it has wrought on its 66 million people.

In a related report, the campaign group Americans for Tax Fairness estimates the collective wealth of America’s 651 billionaires has risen by $1.1tn over the same period. Frank Clemente of Americans for Tax Fairness said:
“Their pandemic profits are so immense that America’s billionaires could pay for a major Covid relief bill and still not lose a dime of their pre-virus riches. Their wealth growth is so great that they alone could provide a $3,000 stimulus payment to every man, woman and child in the country, and still be richer than they were nine months ago.”Advertisementhttps://72b6d0b503544094cf69f2daff8ffde3.safeframe.googlesyndication.com/safeframe/1-0-37/html/container.html

Jeff Bezos, the founder and chief executive of Amazon, has watched his wealth rocket by $70bn since March to a record $185bn as hundreds of millions of people trapped at home turned to the online delivery giant to keep themselves fed and entertained.

Other members of the super-rich elite who have seen huge financial benefits during the crisis include: Elon Musk, the maverick founder of Tesla; Bernard Arnault, the French billionaire who owns most of luxury brand portfolio LVMH; Facebook’s Mark Zuckerberg; and Google’s Larry Page.

Ana Arendar, the head of Oxfam’s inequality campaign, said the fact that the richest of the rich have made so much money during the coronavirus pandemic “proves beyond a shadow of a doubt that the global economic system is not fit for purpose”.

“Allowing the wealth of a tiny few to explode while hundreds of millions suffer is nothing short of a dereliction of duty,” she said of global governments’ inaction on widening inequality.

“Extreme poverty is rising for the first time in a decade and hundreds of millions of people face dire hardship; in many cases failing into debt, skipping meals and being forced into destitution,” Arendar said. “Governments need to stop pandering to the richest. A wealth tax would barely make a difference to the fortunes of the richest but could provide a lifeline for those hit hardest by the pandemic.”Advertisement

While many small businesses have been hit hard by the pandemic and the worst economic crisis since the Great Depression of the 1930s, Amazon’s shares have increased by 90% since March.

Bezos, who started Amazon in his garage in 1994, still owns 11% of the company’s stock, as well as space travel venture Blue Origin and the Washington Post. During the pandemic, his wealth has grown by 66%.

Covid-19 lockdowns and financial crises have pushed people into poverty around the world.

Covid-19 lockdowns and financial crises have pushed people into poverty around the world.
Photograph: Nick Ansell/PA

Last week his ex-wife, Mackenzie Scott, revealed she had given away $4bn to good causes in the past four months, taking her donations since the pandemic started to nearly $6bn. Scott has a fortune of more than $50bn (£37bn) after her divorce settlement with Bezos last year and has pledged to give away much of her wealth. She said Covid-19 had “been a wrecking ball in the lives of Americans already struggling … [but had] substantially increased the wealth of billionaires”.

But the Amazon founder’s gains pale in comparison to those of Elon Musk, the co-founder and chief executive of electric car company Tesla.

Musk’s fortune soared to $153bn, up from $25bn in March, as investors bet that the pandemic would lead governments to speed up the switch from internal combustion engines to electric vehicles. Musk, 49, owns 20% of Tesla and is now the world’s second-richest person, up from 35th in the global league table of billionaires back in January.

Tesla shares have risen almost sevenfold since March as investors bet that the company would be a clear leader in an electric future. From Monday, the firm will be included in the blue-chip S&P 500 index – news which has led to a further surge in demand for shares over recent weeks.

Bernard Arnault, Europe’s richest person, has seen his fortune double since the pandemic began, as demand for luxury brands in his LVMH Moët Hennessy Louis Vuitton stable bounced back. Arnault’s wealth increased from $69bn in March to $148bn, to make him the third-richest person on the planet.

Elon Musk, the founder of Tesla, is another member of the super-rich whose vast fortune has expanded during the pandemic.

Elon Musk, the founder of Tesla, is another member of the super-rich whose vast fortune has expanded during the pandemic. Photograph: Britta Pedersen/AFP/Getty Images

Bill Gates, co-founder of Microsoft turned philanthropist and the fourth-richest person, has an estimated $120bn fortune. Gates’s wealth has increased by about $20bn since March. Over the same period he has committed billions to the development of coronavirus vaccines and healthcare projects related to the Covid-19 pandemic.

Luke Hildyard, executive director of the High Pay Centre, a thinktank that focuses on excessive pay, said: “People perhaps fail to appreciate the vast extent of billionaire wealth. To give you some perspective, just the increase in the net worth of these 10 individuals over the past 10 months is more than the estimated amount that the UK government has spent this year fighting the health and economic consequences of the coronavirus on behalf of 66 million people.”

The other billionaires to have significantly boosted their fortunes since the pandemic began are Facebook’s Mark Zuckerberg, who saw his wealth increase by about 80% to $100bn, investor Warren Buffett, whose fortune increased by 26% to $85bn, and Larry Ellison, co-founder of Oracle, whose wealth swelled by 50% to $88bn. Google’s Larry Page increased his wealth by half to $76bn, his co-founder, Sergey Brin, saw a similar increase to $74bn, and Amancio Ortega, founder of Inditex, saw his fortune rise 47% to $75bn.

https://www.theguardian.com/email/form/footer/today-uk

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